Wien – Dieter Böhmdorfer will "durchstarten" – als Anwalt. Als Justizminister hat er (Herbert Haupt) gezeigt, wie man in Würde abtritt. Sein Ärger über die FPÖ war so groß, dass die Entscheidung relativ rasch erfolgte. Nach dem Ministerrat am vergangenen Dienstag, bei dem er mit seiner Kritik an der ÖVP wieder einmal alleine geblieben war, äußerte er unter Parteifreunden bereits seinen Frust. Zwei Tage reichten für die Entscheidung, die er erst Jörg Haider und dann dessen Schwester, der designierten Parteichefin Ursula Haubner, kurz und bündig mitteilte. Am Freitag trat er bereits vor die Presse und nahm damit bewusst in Kauf, die Regierungsumbildung bei der FPÖ zügig voranzutreiben.

Die Entscheidung über sein Nationalratsmandat, das er in Anspruch nehmen könnte, hat Böhmdorfer dem Klub überlassen. Will ihn die FPÖ im Parlament haben, müsste ihm der Niederösterreicher Anton Wattaul weichen, der im März 2003 auf Böhmdorfers Mandat nachgerückt war.

Böhmdorfer vertrat vor seinem Eintritt in die Regierung als Anwalt vor allem die FPÖ und eineinhalb Jahrzehnte lang auch Jörg Haider – vorwiegend in Medienprozessen und durchaus erfolgreich. Seinen Klientenstock und das Anlagevermögen verpachtete er mit einem Vertrag, der mit 29. März 2000 datiert war, an die Rechtsanwaltskanzlei Böhmdorfer-Gheneff KEG und bezog dafür einen Pachtzins von monatlich 7267 Euro. Fixiert worden sei der Vertrag aber bereits 1998, erklärte Böhmdorfer, als er seinen Klientenstock in die mit Huberta Gheneff neu gegründeten Kanzlei eingebracht habe.

Über eine Rückkehr in seine alte Kanzlei sei noch nicht entschieden, Böhmdorfer erwäge als selbstständiger Anwalt mit einer neuen Kanzlei einen Neubeginn zu wagen. Davor fürchten sich vor allem seine Exkollegen, da Böhmdorfer seinen alten Kundenstock wieder an sich reißen könnte.

Auf den Auftritt des ehemaligen Justizministers im Gerichtssaal darf man gespannt sein. Böhmdorfers Verhältnis zu den Richtern war von Anfang an spannungsgeladen, mit der Richtervereinigung lag er während seiner Amtszeit im Dauerclinch. Als Anwalt könnte er einen schweren Stand haben. (pm, völ/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.6.2004)