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Foto: APA/EPA

In der bisher größten IFO-Umfrage zum Themenkomplex Unternehmen und Nachhaltigkeit unter deutschen Gewerbeunternehmen (als pdf-File zum Download) gab mehr als ein Drittel der Befragten an, sich bereits mehrfach mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt zu haben bzw. das Leitbild nachhaltiger Entwicklung schon in konkrete Ziele umzusetzen. Ein Viertel der Befragten hat dabei den klassischen Umweltschutz im Blick.

Rückblende: Vor 15 Jahren war Management mit ökologischer Ausrichtung noch eher eine selten Ausnahme. Umweltmanagement war kaum verbreitet und wurde nur unsystematisch eingesetzt. Doch in den 1990er Jahren brachten die zwei Umweltmanagementsysteme EMAS und ISO 14001 einen Stein ins Rollen und führten dazu, dass sich eine steigende Anzahl an Unternehmen mit den Umweltauswirkungen ihre Geschäftstätigkeit auseinander setzten.

EMAS und ISO 14001

Die Mitte 1993 in Kraft getretene EMAS-Verordnung und die 1996 publizierte ISO 14001-Norm haben den Bereich Umweltmanagement begrifflich und inhaltlich klargestellt. Eine Zertifizierung nach einer der beiden Systeme bedeutet, dass ein Unternehmen eigene Umweltziele definiert hat, die über das Niveau der relevanten Umweltgesetze hinausgehen, und diese systematisch umsetzt. Derzeit setzen weltweit rund 65 000 Unternehmensstandorte solch ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem ein. Ihre Motive und Ziele sind breit gefächert: Durch reduzierten Ressourcen- und Energieeinsatz erzielen sie Einsparungen und entlasteten die Umwelt. Durch freiwilliges Engagement verbessern sie ihr Image. Und die systematische Vorgangsweise ermöglicht kontinuierliche Verbesserungen.

Aber die Diskussion über Managementsysteme für nachhaltige Unternehmensführung ist mit Umweltmanagement längst nicht abgeschlossen. Umweltmanagementsysteme haben sich in den letzten Jahren weiter entwickelt und UnternehmerInnen und ManagerInnen können heute aus einer großen Vielfalt an Normen, Initiativen und Konzepten für die Umsetzung von Nachhaltigkeit im Unternehmen wählen.

Neue Standards

In der internationalen Normenentwicklung folgten auf EMAS und ISO 14001 Managementstandards für den Sicherheits- und Gesundheitsschutz in Betrieben, z. B. OHSAS 18001. Diese werden in neuester Zeit durch Standards für den Bereich soziale Verantwortung von Unternehmen (Social Accountability 8000) ergänzt und auch die Beziehungen zu Stakeholdern sind mittlerweile Thema eines Managementstandards (AccountAbility 1000).

Die parallele Einführung verschiedener Managementsysteme für einzelne Themenschwerpunkte stößt in der Unternehmenspraxis allerdings an Grenzen. Daher werden zunehmend prozessorientierte integrierte Managementsysteme aufgebaut, mit denen die Forderungen unterschiedlicher Normen erfüllt werden können. Steht bei diesen normenbasierten Managementsystemen vor allem der Nachweis von Zertifikaten im Vordergrund des Interesses, gewinnen darüber hinausgehend nun auch interne Gründe wie Mitarbeitermotivation und Innovationsfähigkeit an Bedeutung. Eine neue Generation von Managementkonzepten verfolgt das Ziel, alle drei Säulen der Nachhaltigkeit zu integrieren und neben ökonomischen auch ökologische und soziale Aspekte als selbstverständliche Bestandteile der Unternehmensführung zu etablieren. Konzepte wie die Nachhaltige Balanced Scorecard, das Nachhaltige EFQM-Modell oder die in England entwickelten SIGMA Guidelines sollen Unternehmen dabei unterstützen, nachhaltige Strategien in die konkrete unternehmerische Praxis umzusetzen.

Zukunft erfordert weiteres Engagement

Nachhaltigkeitsmanagement als Voraussetzung für eine nachhaltige Wirtschaft wird verstärkt von Unternehmen eingesetzt werden. Bereits 58 Prozent der Befragten der IFO-Studie gehen davon aus, dass in Zukunft mehr Engagement von ihnen gefordert und die Bedeutung sozialer und ökologischer Verantwortung steigen wird. Denn wie auch die österreichische Nachhaltigkeitsstrategie betont, ist eine nachhaltige Entwicklung nur auf Basis einer erfolgreichen und wettbewerbsfähigen Wirtschaft möglich, die ihre ökologische und soziale Verantwortung bei der Gestaltung von Arbeitswelt, Produkten und Dienstleistungen, bei Forschung und Entwicklung und dem Einsatz von Technologien wahrnimmt.

Das Monatsthema Juni 2004 auf www.nachhaltigkeit.at beschäftigt sich mit den Trends im Nachhaltigkeitsmanagement und setzt sich mit der Frage auseinander, wie Nachhaltigkeit in den Management-Mainstream gelangt. Neben einem aktuellen Überblick über die verschiedenen Managementsysteme für Nachhaltigkeit und ihre Weiterentwicklungen werden Beratungs- und Förderprogramme für Nachhaltigkeitsmanagement vorgestellt.