Wien - Ein Blick in die Fußballhistorie beweist: Wenn es Spieler schon als Junge schaffen, sich bei einem großen Turnier zu beweisen, dann ist die Chance groß, dass auch danach etwas aus ihnen wird.

Das bis heute prominenteste Beispiel vom unbekümmerten Jungspund, der bei einem Großereignis das erste Mal richtig explodierte, ist Edson Arantes de Nascimento, genannt Pele. Der einst beste Fußballer der Welt wurde 1958 als 17-jähriger von der brasilianischen Nationalmannschaft zur WM nach Schweden mitgenommen. Er revanchierte sich mit sechs Toren, zwei davon schoss er beim 5:2-Finalsieg gegen den Gastgeber. Ein Mythos war geboren, und je älter Pele wurde, umso berühmter wurden auch die Tore, die er als Junge geschossen hatte.

Ein weiteres berühmtes Beispiel von einem, der seine Chance zu nutzen wusste, stellt Giuseppe Bergomi dar, heute eine Legende bei Inter Mailand. Davon war der Verteidiger im Jahr 1982 noch weit weg, als Trainer Enzo Bearzot den damals 18-Jährigen im letzten WM-Finalrundenspiel gegen Brasilien einwechselte. Der junge Mann bestand bravourös, kaufte den Ballzauberern die Schneid ab und wurde später sogar Weltmeister. Er trat erst 1998 ab, nach der WM in Frankreich.

Stars von heute wie die Brasilianer Ronaldo und Kaka sammelten ihre ersten internationalen Turniererfahrungen auch schon als Teenager, obwohl sie damals noch nicht eingesetzt wurden. Heute ist es absolut üblich, Talente in die Kader zu berufen, und wenn es nur deswegen ist, damit sie sehen, wie der Hase läuft bei einer EM oder WM.

So debütierte etwa der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus schon mit 19 während der EM 1980 in Italien, spielte beim 3:2-Sieg gegen die Niederlande aber nur ein paar Minuten. Explodiert ist er damals nicht. Das hat er erst 1990 getan, als er Weltmeister wurde. (sjk, DER STANDARD Printausgabe 23.06.2004)