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Wilhelm Papst

Foto: APA/Eggenberger
Der ehemalige Magdalen-Sanierer Wilhelm Papst stellt in dem Buch "Der Kärntner Sumpf" seine Sicht der Milliardenpleite dar. Papst, der viereinhalb Jahre in Haft war, sieht sich als Opfer politischer Netzwerke.

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Früher wäre Wilhelm Papst nicht in der unscheinbaren Pension Ria in Pörtschach abgestiegen. Er hätte wahrscheinlich das 100 Meter weiter gelegene Top-Hotel Werzer's bevorzugt. Der sportliche Beinahe-80-er, der gerade in Pörtschach an der Senioren-Tennis-WM teilnimmt, ist untrennbar mit der größten Wirtschaftspleite des Landes Kärnten, des ehemaligen Villacher Zellstoff-Werks Sankt Magdalen verbunden. In Diana Cobys Buch "Der Kärntner Sumpf" versucht Papst seine Sicht darzustellen. Und die hat es in sich.

Das 1,3 Milliarden Schilling-Debakel (95,5 Mio. Euro) markierte den Beginn des politischen Aufstiegs Jörg Haiders und den Niedergang der einst alldominanten SPÖ in Kärnten. Papst, zunächst als Investor gefeiert und schließlich als alleiniger Schuldiger verurteilt, verbüßte viereinhalb Jahre Haft. Spektakulär war sein Ausbruch aus einem vergitterten Raum der Klagenfurter Psychiatrie im Jänner 1991 mittels einer eingeschmuggelten Metallsäge. Er flüchtete nach Brasilien, wurde dort aber 1994 erneut verhaftet.

Stets hatte der Geschäftsmann, der es vom Donawitzer Eisenbahner-Buben zum vielfachen Millionär mit Wohnsitz in Monaco gebracht hatte, seine Unschuld beteuert.

Papst sieht sich als Opfer skrupelloser Machenschaften nicht nur der Papierlobby, die aus seiner Sicht das profitable Magdalen-Werk als Konkurrenten ausschalten wollte, sondern vor allem des jungen Jörg Haider, der sich im Kärnten der 80er-Jahre auf den Karrieresprung zum Landeshauptmann vorbereitete. Mit Hilfe der Medien sei es Haider gelungen aus dem bis dahin Unbescholtenen das Bild eines windigen Geschäftemachers zu entwerfen, der die SP-Kärnten bestochen und es nur auf die Fördermillionen abgesehen gehabt habe.

"Unfaires Verfahren "

Detailliert werden in dem Buch angebliche indirekte Erpressungsversuche Haiders geschildert, in die Gernot Rumpold, aber auch Noch-Justizminister Dieter Böhmdorfer involviert gewesen sein sollen. Für Haider sei es ein Leichtes gewesen mit Hilfe seines politischen Netzwerks bis hinauf zum damaligen Rechnungshof-Präsidenten Tassilo Brösigke Mithelfer zu finden und eine willfährige Justiz, die Beweise unterdrückt und ein unfaires Verfahren geführt habe, so Papst.

Viele der damaligen Protagonisten aus Haiders Umfeld, etwa die Journalisten Karl-Heinz Petritz oder Siegfried Jost machten später in der FPÖ Karriere. Auch der Industrielle Thomas Prinzhorn, der ihm, Wilhelm Papst, in der letzten Phase des Magdalen-Niedergangs noch dessen Anteile an der gemeinsamen Firma Brigel&Bergmeister abgenommen habe.

Die erhobenen Vorwürfe blieben übrigens bis heute unbeantwortet. Landeshauptmann Jörg Haider sagte auf Nachfrage des STANDARD: "Kein Kommentar". Der rüstige Tennis-Spieler Wilhelm Papst lässt nicht locker. Er überlegt, US-Anwalt Ed Fagan für seine Sache zu gewinnen. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD; Printausgabe, 23.6.2004)