Washington - Eine der größten amerikanischen Einzelgewerkschaften will den Mitgliederschwund mit einer neuen Organisationsform im Internet überwinden. Interessierte Beschäftigte sollen der virtuellen Gewerkschaft beitreten können, die weder an den jeweiligen Arbeitsplatz gebunden noch von einer Genehmigung des Arbeitgebers abhängig sein soll. Das Projekt wurde am Dienstag auf dem Gewerkschaftstag der Dienstleistungsgewerkschaft SEIU in San Francisco vorgestellt.

Der Organisationsgrad in den USA ist im vergangenen Jahr nach Zahlen des US-Arbeitsministeriums auf einem Rekordtief von 12,9 Prozent der Arbeitnehmer angelangt. 2002 waren noch 13,3 Prozent der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Im Privatsektor waren es sogar nur 8,2 Prozent. Die SEIU hat viele Arbeitnehmer aus dem öffentlichen Dienst in ihren Reihen.

"Neuer Weg" für organisierte Arbeitnehmerbewegung

SEIU-Präsident Andy Stern sagte, das Projekt PurpleOcean.org sei "ein radikal neuer Weg, über eine organisierte Arbeitnehmerbewegung nachzudenken". Die Gewerkschaften müssten sich aus den neuen Formen von Gemeinschaft stärken, die sich im Internet entwickelten. Das Internet verbinde Millionen von Menschen, "die etwas zu tun bereit sind und sich einmischen wollen". Es sei unerlässlich, diese Leute einzubinden.

Vorbild für die virtuelle Gewerkschaft ist die letztlich gescheiterte Präsidentschaftskampagne des früheren Gouverneurs von Vermont, Howard Dean. Der Demokrat hatte im Internet Hunderttausende von Anhängern gewonnen und auch Millionen von Dollar für seinen Wahlkampf organisiert. (APA)