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foto: apa/gindl
Wien - In Österreich sind 7.844.000 Personen krankenversichert. Das sind 97,7 Prozent der Wohnbevölkerung von 8.067.300, geht aus Daten von Hauptverband und Statistik Austria hervor. Damit wären 183.000 Menschen in Österreich ohne Krankenversicherung. Der Sozialexperte Martin Schenk von der Armutskonferenz verwies Mittwoch im Radio-Morgenjournal des ORF darauf, dass 160.000 Menschen ohne Krankenversicherung seien. Diese Lücke im Versicherungsschutz müsse geschlossen werden. Schenk verlangt, dass im Gesundheitsbereich und in der Prävention mehr Augenmerk auf soziale Lebensbedingungen gelegt wird.

2,4 Prozent der Bevölkerung mit geringem Einkommen

Schenk verwies darauf, dass die in der "Studie des Europäischen Zentrums für Sozialforschung" genannten 160.000 Personen immerhin 2,4 Prozent der Wohnbevölkerung darstellten. "Gemeinsam ist allen, dass sie ein geringes Einkommen haben. Zwei Drittel befanden sich zum ersten Mal in dieser Situation, immerhin ein Drittel war schon öfters davon betroffen", so Schenk.

Gesunheit gefährdet

Wer in Kauf nehme, dass immer mehr Menschen in die Sozialhilfe abrutschten, gefährde die Gesundheit. "Leben am Limit macht Stress. Leben am Limit schwächt die Abwehrkräfte und das Immunsystem und macht verletzlich". Schenk verwies darauf, dass bereits jetzt 30.000 Kinder und Jugendliche unter Sozialhilfebedingungen leben müssten. Die Tendenz sei steigend. "Eine Politik, die die Bedingungen im unteren sozialen Netz verschlechtert, die Arbeitslosigkeit hinnimmt und schlechte Wohnverhältnisse für Einkommensschwache zulässt, vorschulische Bildung für Benachteiligte erschwert, macht krank. Sozialer Ausgleich hingegen ist eine gute Medizin".

Hauptverband: 7,884.000 Krankenversicherte

Im Hauptverband verweist man darauf, dass rund 2,2 Millionen der insgesamt 7,884.000 krankenversicherten Personen als beitragsfreie Mitversicherte gelten. Dies seien vor allem Kinder. 5,6 Millionen seien sogenannte Beitragsleister. Darunter fallen Erwerbstätige, Pensionisten, Arbeitslose, Kinderbetreuungsgeldbezieher und freiwillig Versicherte.

Küberl fordert Schutz für alle

Caritas-Präsident Franz Küberl fordert, die Lücken in der Krankenversicherung rasch zu schließen. "Alle in Österreich lebenden Menschen sollen einen Arzt aufsuchen können, wenn sie Hilfe brauchen". Küberl verweist auf die Studie des Gesundheitsministeriums, wonach 160.000 Menschen in Österreich nicht krankenversichert seien. Hier müsse unbedingt eine Krankenversicherungslösung gefunden werden, so Küberl am Mittwoch in einer Aussendung.

"Krankenversicherung ist eines der Grundelemente der Existenzsicherung und ein äußerst wichtiger Beitrag für die Gesundheit der Menschen". Armut mache krank und zeige sich in einem schlechteren Gesundheitszustand der Betroffenen. "Daher brauchen wir leicht zugängliche Betreuungsangebote". Als ergänzende Maßnahme zu einem umfassenden Krankenversicherungsschutz schlägt Küberl die Errichtung niederschwelliger Angebote in allen Ballungszentren vor. "Die Caritas hat seit Jahren zwei Ambulanzen für Menschen in Not: In Wien den Luisebus, in Graz die Marienambulanz, die obdachlosen, aber auch allen anderen bedürftigen Menschen eine kostenlose ärztliche Versorgung bietet". Jährlich sind diese beiden Einrichtungen Anlaufstellen für rund 8.500 Menschen mit gesundheitlichen Problemen.

Die Caritas erlebt in ihren Einrichtungen sehr oft, dass Männer, Frauen und Kinder - weil sie nicht sofort zum Arzt gehen können - Krankheiten verschleppen und oft ernsthaft, manchmal sogar lebensgefährlich erkranken. "Würden hier nicht viele Ärzte und Krankenschwestern auch ehrenamtlich einspringen, wären schon so manche Katastrophen passiert", warnt Küberl. (APA)