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Cristiano Ronaldo glaubt an einen Sieg gegen die Engländer.

Foto:AP/Kienzle
Lissabon - Der Rechenschieber hat ausgedient, jetzt tritt die zwölfte Fußball-EM-Endrunde in Portugal in ihre entscheidende Phase. Die neue Devise lautet am Donnerstag: Wer nicht siegt, der fliegt! Soll heißen: Ab nun geht es bis zum Finale am 4. Juli im K.O.-System weiter. Die Ouvertüre zum Viertelfinale ist gleich ein Hit: Gastgeber Portugal, der Sieger der Gruppe A, trifft im Lissabonner Luz-Stadion auf England, das im Pool B hinter Titelverteidiger Frankreich zweitplatzierte Mutterland des Fußballs.

Die verbleibenden Termine

Die weiteren Paarungen heißen Frankreich - Griechenland am Freitag im Alvalade-Stadion in Lissabon, Schweden am Samstag im Algarve-Stadion in Faro-Loule gegen den Gruppe-D-Zweiten, der am Mittwoch zwischen den Niederländern, Deutschen und Letten ausgespielt wurde, und Tschechien - Dänemark am Sonntag in der Drachen-Arena von Porto. Die Vorschlussrunde wird am 30. Juni (Alvalade) und 1. Juli (Porto), das Endspiel am 4. Juli im Lissabonner Stadion des Lichts ausgetragen.

Zurück zu den Portugiesen bzw. den Engländern, die im Hinblick auf die bevor stehende WM-Quali von Krankl-Co Slavko Kovacic neuerlich beobachtet werden. Eine solche Paarung hat es in einem EM-Turnier bisher ein einziges Mal gegeben. Aber diese hatte es ins sich. Am 12. Juni 2000 siegten die Iberer nach 0:2-Rückstand im Gruppen-Spiel in Eindhoven nach begeisterndem Spiel noch 3:2. Die Tore erzielten damals Scholes, McManaman bzw. Figo, J. Pinto und ein gewisser Nuno Gomes, der am Sonntag mit seinem Goldtor gegen Spanien den Aufstieg des EM-Gastgebers ermöglichte.

Duell der Jungstars

Portugal gegen England lebt jedoch nicht von der Vergangenheit, sondern von der Gegenwart und pikanten Duellen. Vor allem von jenem des 19-jährigen Cristiano Ronaldo mit dem ein Jahr jüngeren Wanye Rooney (18), den zwei jungen wilden Shooting-Stars dieses Turniers oder von Luis Figo und David Beckham, den zwei arrivierten Real-Kollegen. "Es sollte ein grandioses Spiel werden", glaubt selbst der sonst eher emotionslos wirkende englische Teammanager Sven-Göran Eriksson. Die Portugiesen seien technisch alle hervorragend und verfügten über sehr schnelle Spieler. Daher werden sie auch die Brasilianer Europas genannt.

Auf ihr erstes EM-Viertelfinalspiel außerhalb der Heimat wollen die "Söhne Albions", die bisher wie Schweden die meisten EM-Tore (je acht) in Portugal erzielten, optimal gerüstet sein. "Wir müssen uns so schnell wie möglich von den 90 Minuten gegen Kroatien erholen. Das hat oberste Priorität, weil wir einen Tag weniger Vorbereitung als Portugal haben", sagt der Schwede Eriksson, der in seiner "Torfabrik" natürlich vor allem wieder auf Rooney baut.

"Er ist absolut fantastisch"

Der 18-jährige Noch-Everton-Stürmer hat sowohl gegen die Schweiz als auch Kroatien je zwei Tore erzielt. "Was kann ich über ihn sagen, was bisher noch nicht gesagt wurde", fragt Eriksson und liefert die Antwort gleich mit: "Er arbeitet viel für das Team, lässt sich tief in den Raum fallen, ist immer anspielbar und hilft auch in der Defensive aus - er ist absolut fantastisch." Eriksson, der seine Elf nicht verändern dürfte, glaubt im Allgemeinen, dass es immer schwieriger werde, seine Truppe zu schlagen.

So frech wie auf dem Grünen Rasen, so unbekümmert ist C. Ronaldo auch in seiner Wortwahl: "Wir haben keine Angst vor den Engländern, wenn wir hundert Prozent abrufen, können wir sie schlagen!" Der mit Figo oft die Flügel wechselnde ManU-Mann erwartet, dass er öfter auf seinen Klubkollegen G. Neville treffen wird. "Ich hoffe ihn einige Mal ausdribbeln zu können, aber das Wichtigste für mich ist Portugals Sieg. Ich weiß, dass ich mit meinen Sololäufen mithelfen kann." An seiner Seite wird Gomes statt des gesperrten Pauleta von Beginn an stürmen.

Optimismus bei den Hausherren

Ricardo, 28-jähriger Tormann von Sporting Lissabon, sieht dank der fantastischen Unterstützung der Fans, die für einen echten Heimvorteil sorgen, ebenfalls optimistisch in die Zukunft: "Wir haben nur noch drei Spiele vor uns. Unser erstes Ziel haben wir erreicht, wir werden von Tag zu Tag stärker." Der brasilianische Teamchef Luiz Felipe Scolari, der als Erster Welt- und Europameister mit verschiedenen Ländern werden könnte, ist vorsichtig: "Wir können uns nicht leisten, schon ans Halbfinale oder Endspiel zu denken." Für sein Versprechen, unter die letzten Vier zu kommen, fehlt ihm nur noch ein Sieg. Den Final-Einzug hat sogar seit 1984 (Frankreich) kein EM-Gastgeber mehr geschafft. (APA)

  • PORTUGAL - ENGLAND
    (Lissabonner Luz-Stadion, 20.45 Uhr MESZ/live ORF 1, Urs Meier/Schweiz):

    PORTUGAL: Ricardo - Miguel, Carvalho, Andrade, Valente - Costinha, Maniche oder Petit, Figo, Deco - C. Ronaldo, Gomes Gesperrt: Pauleta

    ENGLAND: James - G. Neville, Terry, Campbell, A. Cole - Beckham, Lampard, Gerrard, Scholes - Rooney, Owen

    Bilanz: 20 Länderspiele - drei Portugal-, neun England-Siege und acht Remis. Letzter portugiesischer Sieg: 3:2 am 12. Juni 2000 in Eindhoven (EM/Vorrunden-Gruppe A, Siegestor durch Gomes in der 59. Minute); letzter englischer Sieg: 3:0 am 22. April 1998 in London; zuletzt hat es zwei Mal ein 1:1 gegeben