Brüssel - Die für Verkehr zuständige spanische EU-Kommissarin Loyola de Palacio hält ihren Landsmann, den EU-Außenpolitikbeauftragten Javier Solana, für "nicht kompatibel" für die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. "Es gibt einen Spanier, der schon eine wichtige Stellung einnimmt in der Außenpolitik. Zu viele Personen der gleichen Staatsangehörigkeit kommen nicht in Frage", sagte Palacio am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Brüssel.

Die konservative EU-Kommissarin hofft nach eigenen Angaben auf einen Kommissionspräsidenten aus den Reihen der Europäischen Volkspartei. In der christdemokratisch-konservativen EVP gebe es "hochqualifizierte Persönlichkeiten" für das Amt, sagte die spanische Kommissarin. Sie verwies zudem darauf, dass das Ergebnis der Europawahlen nach den Bestimmungen der neuen EU-Verfassung berücksichtigt werden soll.

Die EVP war aus den Wahlen zum Europäischen Parlament am 13. Juni als stärkste Kraft hervorgegangen, hat im neuen Parlament aber keine absolute Mehrheit. Nachdem sich der EU-Gipfel vergangene Woche nicht auf einen Nachfolger Prodis geeinigt hatte, hat der Sozialdemokrat Solana öffentlich sein Interesse an dem Posten bekundet.

Vor Palacio hatte bereits EVP-Fraktionschef Hans-Gert Pöttering ausgeschlossen, dass die Konservativen Solana unterstützen könnten. Als "gleichberechtigte" Wunschkandidaten der EVP für das Amt des Kommissionspräsidenten hatte er Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), den portugiesischen Ministerpräsidenten Jose Manuel Durao Barroso und den französischen Außenminister Michel Barnier vorgeschlagen. Laut einem Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" lehnt die britische Regierung Barnier ab.

Solana werden in Brüssel beste Chancen eingeräumt, als Hoher Repräsentant für die EU-Außenpolitik bestätigt zu werden. Der Spanier könnte mit Inkrafttreten der Verfassung dann erster europäischer Außenminister werden. (APA)