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Rom/Guimaraes - Diese Bilder werden Millionen italienischer Fußballfans wohl ihr Leben lang nicht vergessen können: In der vierten Minute der Nachspielzeit erzielt Jungstar Antonio Cassano den Siegestreffer zum 2:1 gegen Bulgarien, läuft jubelnd zu den Mannschaftskollegen, im Glauben, Italien ins EM-Viertelfinale geschossen zu haben - und bricht dann weinend zusammen, als er von Schwedens Ausgleich zum 2:2 gegen Dänemark erfährt. Ein Bild, das im kollektiven Gedächtnis bleiben wird, wie Roberto Baggios Verzweiflung nach dem verschossenen Elfmeter im WM-Finale gegen Brasilien 1994.

Ein Siegestor zum Weinen

Cassanos Tränen spiegelten die Gemütsverfassung einer ganzen Fußballnation wider, die während des Bulgarien-Matches gehofft und gebangt hatte - doch am Schluss blieben nur Wut, Enttäuschung und Verzweiflung übrig. "Wütend nach Hause. Cassano, ein Siegestor, das uns weinen lässt", titelte der "Corriere della Sera" am Mittwoch.

Nach einer der größten Pleiten, die die Azzurri bisher erlebt haben, richtete sich der Ärger von Fans wie Kommentatoren gleichermaßen gegen die Skandinavier, die sich durch das für viele "logische" 2:2 qualifiziert haben, und die eigene Elf. Wie schon nach den Unentschieden gegen Dänemark und Schweden stand Nationaltrainer Giovanni Trapattoni im Mittelpunkt der Kritik.

Kopf von Trappatoni gefordert

Bis spät nach Mitternacht liefen in den italienischen TV-Sendern Talk-Shows, bei denen einhellig Trapattonis Kopf gefordert wurde. Er habe die falschen Spieler einberufen, Italien habe schlechten Fußball gespielt, sei zum internationalen Gespött geworden, lautete der Tenor. Trapattonis Vertrag endet am 15. Juli, als sein sicherer Nachfolger gilt der bisherige Juventus-Trainer Marcello Lippi.

Das von den Italienern befürchtete 2:2 im anderen Spiel wurde in den italienischen Medien meist lediglich als das Tüpfelchen auf dem i betrachtet, auch wenn Schweden und Dänen unfaires Verhalten unterstellt wurde. "Schweden und Dänemark schaffen ein schönes 2:2, jenen zum Trotz, die noch an die Märchen und an den Weihnachtsmann, an das Fair-Play der Nordländer, an deren unvergängliche Fairness glauben", kommentierte der "Corriere della Sera".

Buffon ortet einen Weltskandal

Während in der Öffentlichkeit die Selbstkritik im Vordergrund stand, haderten die Azzurris selbst lieber mit dem Schicksal und mit den Gegnern, denen sie unsportliches Verhalten unterstellten. "Wir scheiden erhobenen Hauptes aus", meinte Trapattoni. Viele Spieler witterten einen Komplott der Schweden und Dänen. "Das ist eine Schande, ein Weltskandal", wetterte etwa Torhüter Gianluigi Buffon. "Wir haben auf dem Spielfeld verloren, sie als Menschen", sagte Verteidiger Christian Panucci in Richtung Schweden und Dänen. Einen offiziellen Protest bei der UEFA gab es von italienischer Seite aber bisher nicht. Die "Gazzetta dello Sport" bilanziert das EM-Abenteuer in der fetten Schlagzeile: "Italiens Pleite." (APA/dpa/Reuters)