Der Mensch ist ein Liegenlasser. Traditionell. Wenn er seine sieben Sachen zu Hause oder im privaten Umfeld fallen lässt, fällt das ja nicht so auf - aber im öffentlichen Raum ist Liegenlassen für die Umwelt schon deswegen interessant, weil der Mensch auch ein Vergesser ist: was einmal aus der Hand gelegt wurde, ist oft auch aus dem Hirn - und wenn dann als ehrlicher Finder derart Entsorgtes abliefert, liegt es oft lang und länger.

Die ÖBB können ein Lied über Verloren-Vergessenes singen: es gibt wenig, was nicht schon in Zügen vergessen wurde und für das sich später niemand mehr interessierte. Schirme und Taschen sowieso - aber an sein Kajak, eine Prothese oder die alte Geige sollte man sich doch noch erinnern, wenn man plötzlich ohne sie dasteht, aber sicher ist, mit diesen Dingen die Reise angetreten zu haben.

Egal: Da die Bundesbahnen mit solchen Fundgegenständen auch nicht glücklich werden, versteigern sie sie. Regelmäßig. Und die Auktionen am Südbahnhof sind - nicht zuletzt wegen des Auktionators, Herrn Spelitz - Kultveranstaltungen: günstig Taschen kaufen und nachher erst nachschauen, was drin ist, hat ja auch seinen Reiz.

Heuer haben die ÖBB dem Misteryshopping aber noch einen Extradreh gegeben: Prominente geben den Auktionsleiter - und das eingespielte Geld kommt dem St.-Anna-Kinderspital zugute. Mittwochmittag schwang Tiergartendirektor Helmut Pechlaner den Hammer. "Zufällig" waren alle seine Fundgegenstände tierbezogen - oder hatten zumindest Tiermotive aufgedruckt. Dem Volk gefiel es - es steigerte eifrig und die Kinderärzte freuten sich. Bis inklusive Samstag ist dann wieder Herr Spelitz am Bahnhof am Zug. (rott)