Mannesmann-Prozess - Staatsanwalt verlangt Schuldspruch Strafforderungen am Donnerstag erwartet

Düsseldorf (APA/dpa) - Im Mannesmann-Prozess haben sich die Staatsanwälte in ihrem Schlussvortrag von der vollen Schuld der Angeklagten überzeugt gezeigt. "Die Angeklagten haben sich der schweren Untreue schuldig gemacht", sagte Staatsanwalt Johannes Puls am Mittwoch in seinem Plädoyer vor dem Düsseldorfer Landgericht. Sie hätten Mannesmann mit der Ausschüttung der umstrittenen Millionenprämien von rund 57 Mio. Euro vorsätzlich geschädigt.

So habe die umstrittene Anerkennungsprämie für Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser dessen Jahresgrundgehalt um das mehr als 20fache überstiegen. Grund und Anlass seien nicht die Verdienste Essers gewesen, sondern allein dessen Zustimmung zu einer freundlichen Übernahme und die Beendigung des Abwehrkampfes gegen Vodafone. Nur so habe der Mischkonzern Hutchison Whampoa, der den Prämienvorschlag unterbreitet habe, seine Spekulationsgewinne in Milliardenhöhe schnell und ungeschmälert realisieren können.

Die Prämie, die Esser für eine erfolgreiche Abwehr der feindlichen Übernahme versprochen worden war, wäre nur halb so hoch gewesen. "Esser war gescheitert, aber seine Prämie wurde verdoppelt", sagte Puls. Der Konzernchef habe sich daraufhin tatsächlich für die Übernahme stark gemacht, ohne seine Vorstandskollegen von dem Millionenoffert zu unterrichten. "Von Transparenz, wie der Angeklagte Esser hier glauben machen will, kann keine Rede sein", sagte Puls. Auch sei zu diesem Zeitpunkt noch keine Einigung erzielt gewesen.

Die gegenläufige Darstellung Essers sei in vielen Punkten widerlegt worden. "Es gibt eine Fülle von Indizien, die keine Zweifel aufkommen lassen." Die von den Verteidigern vorgetragenen Gründe für die Prämien stufte der Ankläger als Schutzbehauptungen ein. So habe man erst mühsam eine nachträgliche Begründung für die Millionenprämie an Aufsichtsratschef Joachim Funk gesucht, der sich durch seine Mitwirkung an den rechtswidrigen Beschlüssen sogar selbst begünstigt habe. "Für jeden der Beteiligten war die Rechtswidrigkeit der Beschlüsse offensichtlich. Jeder, der involviert war, hatte Bedenken, nur die Angeklagten angeblich nicht."

Auch die massive Intervention der Wirtschaftsprüfer habe die Angeklagten von ihrem Ziel nicht abgehalten, die insgesamt 57 Mio. Euro Prämien und Pensionsabfindungen auszuschütten. So habe Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Arbeitnehmervertreter im Mannesmann-Aufsichtsrat während einer Sitzungspause mit einer missverständlichen Auskunft beschwichtigt. Er habe den Eindruck erweckt, die Prämien würden von Vodafone gezahlt.

Ackermann, Esser, Funk und der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel müssen sich seit fünf Monaten vor Gericht verantworten. Die Strafkammer hatte in dem spektakulären Strafprozess bereits Ende März in einer Zwischenbilanz signalisiert, dass alle Angeklagten mit Freisprüchen rechnen können. Zwar seien die Prämien aktienrechtlich unzulässig gewesen, als Straftaten könne das Handeln aber nicht gewertet werden.

Die Ankläger wollen ihren Schlussvortrag an diesem Donnerstag fortsetzen und dann auch die Strafforderungen verkünden. In der kommenden Woche beginnen dann die Plädoyers der Verteidigung. Danach haben die Angeklagten das letzte Wort. Mit einem Urteil wird Ende Juli gerechnet. (APA)