Brüssel - Eine Entscheidung über die Auftragsvergabe zum Aufbau des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo soll noch vor Jahresende getroffen werden. Sie erwarte eine Entscheidung der EU-Kommission im November, sagte die zuständige EU-Kommissarin Loyola de Palacio am Mittwoch in Brüssel. Die Unterzeichnung eines Abkommens mit Washington beim US-EU-Gipfel in Irland am Samstag, das den störungsfreien parallelen Einsatz von Galileo und des amerikanischen GPS-Systems garantiert, sei von "äußerster Wichtigkeit" für die transatlantischen Beziehungen, betonte die EU-Kommissarin.

Im Rennen um den Aufbau von Galileo sind das iNavSat-Konsortium aus dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS Space, der britischen Inmarsat Ventures und der französischen Thales sowie das Eutelsat-Konsortium aus Eutelsat, der spanischen Hispasat, LogicaCMG und AENA sowie schließlich das Vinci Concessions-Konsortium, an dem neben der französischen Vinci auch Alcatel und die italienische Finmeccanica beteiligt sind. Einsatzbereit soll Galileo 2008 sein. Bis dahin müssen 30 Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht werden, GPS arbeitet mit 25 Satelliten.

Geschäftsbereiche

Durch die Einigung mit den USA wird dem europäischen Konkurrenzsystem "ein bedeutender Weltmarkt erschlossen", sagte De Palacio. Die EU rechnet durch den Aufbau des europäischen Satelliten-Navigationssystems mit zusätzlich 150.000 Arbeitsplätzen. Erste Testsatelliten sollen Anfang nächstes Jahr starten. Für das Jahr 2020 erwartet die EU-Kommission ein jährliches Geschäftsvolumen in Höhe von 300 Mrd. Euro auf dem Weltmarkt für Satelliten-Navigationssysteme, gegenüber 20 Mrd. Euro im Jahr 2003. 98 Prozent der Geräte sollen sowohl GPS- als auch Galileo-Signale empfangen können.

Kommerziell am bedeutendsten wird für Galileo nach Angaben von Palacio die Nutzung von verschlüsselten Frequenzen für Geschäftskunden sein. Daneben wird das europäische Navigationssystem auch unentgeltlich öffentliche Informationen auf der gleichen Bandbreite wie GPS senden. Eine dritte Art von Signalen ist ebenfalls verschlüsselt und soll den öffentlichen Behörden der EU-Mitgliedstaaten vorbehalten sein. In den Verhandlungen mit den USA waren vor allem die militärischen GPS-Signale ein Problem. Washington fürchtete ein Beeinträchtigung der militärischen Nutzung durch die öffentlichen Galileo-Signale. "Beide Systeme sind kompatibel. Es gibt keine Überschneidungen", versicherte De Palacio.(APA)