Santiago de Chile - Die katholische Kirche in Chile fordert eine umgehende Begnadigung für 30 politische Gefangene. Die gesundheitlichen Folgen eines bereits länger andauernden Hungerstreiks seien bei einigen Häftlingen zutiefst beunruhigend, erklärte die Kommission für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax") der Chilenischen Bischofskonferenz. Das Leben jedes Menschen sei "heilig, auch jenseits aller begangener Taten", ist in einer Kathpress-Meldung vom Mittwoch zu lesen.

Seit 12. April befinden sich sieben der seit mehr als zehn Jahren einsitzenden Gefangenen im Hungerstreik. Vier von ihnen sind gesundheitlich schwer angeschlagen. Sie wollen mit ihrer Aktion den chilenischen Senat dazu bringen, einem Vorschlag von Staatspräsident Ricardo Lagos zuzustimmen. Lagos will all jene freilassen, die nach Einführung der Demokratie 1990 wegen terroristischer Aktivitäten verurteilt worden waren. Nach Aussage von Menschenrechtsorganisationen hatten sie damals kein faires Verfahren bekommen.

Senatoren der rechten Parteien lehnen das Gesetz ab. Sie wollen es mit einem Gnadenerlass für Soldaten verbinden, die wegen Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur verurteilt wurden. Sollte das Gesetz im Senat scheitern, haben die Gefangenen die totale Verweigerung jeglicher Nahrung und Flüssigkeit angekündigt. (APA)