Cottbus - Nach der Auffindung einer Kinderleiche in einem Kühlschrank wird der Skandal um Versäumnisse der Behörden in Deutschland immer größer: Der Bub lag nicht eineinhalb, sondern sogar zweieinhalb Jahre in der Wohnung der Großfamilie in Cottbus. Das teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Als Todesdatum des 1995 geborenen Kindes sei der 20. Dezember 2001 festgestellt worden. Das Amtsgericht erließ am Donnerstag auch Haftbefehl gegen den 36-jährigen Vater.

Der Arbeitslose werde wie seine 43-jährige Frau der Körperverletzung mit Todesfolge verdächtigt, sagte der zuständige Richter. Gegen die ebenfalls arbeitslose Mutter war bereits am Vortag ein Haftbefehl ergangen.

Der Richter erklärte, dem Paar werde vor allem vorgeworfen, ihren damals schwer kranken, sechs Jahre alten Sohn keinem Arzt vorgestellt zu haben. Die sieben anderen im Haushalt der Eltern lebenden Kinder wurden inzwischen in Heimen und Pflegefamilien untergebracht.

Kritik an Behörden

Unterdessen werden in Potsdam die Versäumnisse der zuständigen Behörden diskutiert. In die Kritik gerieten das Cottbusser Jugendamt und das Schulamt. Obwohl der Bub nicht eingeschult und seit zweieinhalb Jahren nicht in der Öffentlichkeit gesehen worden war, hatten die Behörden nicht eingegriffen.

Die Mutter hatte bei den Behörden zunächst behauptet, ihr Sohn liege wegen Zuckerkrankheit in einem Berliner Krankenhaus. Später sagte sie, er sei zur Kur. Offenbar hatte niemand die Angaben überprüft. Erst am vergangenen Montag hatte das Jugendamt die Polizei alarmiert, die den Leichnam danach entdeckte. (APA/AP)