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Helfer bergen einen Verletzten aus dem Bus im Istanbuler Stadtteil Fatih, in dem die Bombe detoniert war.

Foto;: AP/Ihlas Haber Ajansi
Istanbul - Mindestens vier Todesopfer und 15 Verletzte forderte der Anschlag, der sich am frühen Nachmittag des Donnerstag im europäischen Teil Istanbuls ereignete. Den Berichten zufolge explodierte die Bombe in einem Stadtbus, als dieser an einem Blutspendedienst des türkischen Roten Halbmonds im Fatih-Viertel vorbeifuhr. Unter den Opfern sind sowohl Insassen des Busses als auch Passanten. Der türkischen Nachrichtensender CNN-Türk berichtete unter Berufung auf Krankenhauskreise sogar von fünf Toten, Augenzeugen sprachen von vier Toten.

Die türkische Polizei hat drei Verdächtige festgenommen. Zwei Männer seien nach Hinweisen aus der Bevölkerung im Stadtteil Beyazit festgenommen worden, in dem der Bus gestartet war, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Eine Frau sei in einem nahegelegenen Wohnviertel gefasst worden.

Gleiche Gruppierung hinter Anschlag vermutet wie in Ankara

Der Gouverneur der 10-Millionen-Metropole Istanbul, Muammer Güler, bestätigte, drei Menschen seien bei der Detonation in dem Bus getötet worden. Es sei aber kein Anschlag gewesen. "Der Bus war nicht das Ziel, die Bombe wurde offenbar nur von einer Stelle zu einem anderen transportiert." Er vermute die radikale marxistische Gruppe, die sich auch zu dem Anschlag in Ankara bekannte, hinter der Tat.

Bush ab Samstag in Ankara

Bereits am Vormittag war in der türkischen Hauptstadt Ankara nahe des Hilton-Hotels, in dem US-Präsident George W. Bush am Samstag erwartet wird, ein Sprengsatz detoniert. Dabei wurden ein Polizist und ein Passant schwer verletzt. Laut dem Fernsehsender NTV hat sich eine kleine linksradikale Gruppe, die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei, zu dem Anschlag bekannt.

Bush wird am Samstagabend in Ankara erwartet, wo er am Sonntag mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Präsident Amhet Necdet Sezer zusammenkommen will. Anschließend nimmt Bush am Montag und Dienstag am Istanbuler Nato-Gipfel teil, zu dem 46 Staats- und Regierungschefs erwartet werden.

Terrorserie

Nach einer Anschlagsserie im November in Istanbul mit 62 Toten und Hunderten Verletzten hatte es angebliche Al-Kaida-Bekennerschreiben gegeben, deren Glaubwürdigkeit die türkische Regierung aber anzweifelte. Die Selbstmordanschläge im November richteten sich gegen zwei Synagogen, das britische Konsulat und die Niederlassung der britischen Bank HSBC. Vor dem Besuch des britischen Premiers Tony Blair im Mai waren vor Niederlassungen der HSBC in Ankara und Istanbul Bomben explodiert und hatten Sachschaden angerichtet.

Türkische Linksextremisten Urheber

Die Bombenexplosion in einem Linienbus in Istanbul geht nach Ermittlungen der Polizei auf das Konto türkischer Linksextremisten. Die Attentäterin sei eine aus der ostanatolischen Provinz Tunceli stammende Frau, die im vergangenen Jahr in Istanbul an zwei Anschlägen beteiligt gewesen sei, sagte Provinzgouverneur Muammer Güler am Freitag. Die Frau sei als Aktivistin einer verbotenen "marxistisch ausgerichteten linken Organisation" bekannt gewesen.

Nach türkischen Zeitungsberichten handelt es sich um die Revolutionäre Volksbefreiungsfront DHKP/C. Bei der Explosion in einem voll besetzten Linienbus waren am Donnerstag außer der Attentäterin drei Businsassen getötet und 18 Menschen zum Teil schwer verletzt worden. (dpa, Reuters, AP, red)