Wien - Derzeit dürfte das Unkraut weg sein. Aber daran, dass sich in ein oder zwei Wochen Besucher der Gedenkstätte für die Kinder vom Spiegelgrund im Otto-Wagner-Spital über üppig wucherndes Unkraut wundern werden, könne er nichts ändern, bedauert Gustav Schäfer, Verwaltungsdirektor des Spitals: "Leider."

Zwei STANDARD-Leserinnen fanden es "absolut empörend", dass zwischen den Lichtstelen, die hier an die Opfer der NS-Euthanasie erinnern sollen, Unkraut "stellenweise kniehoch steht - ringsum sind Beete und Wiesen aber in gepflegtem Zustand ."

772 Lichtstelen im November 2003 zum Gedenken errichtet

Die 772 Lichtstelen waren im November 2003 als Erinnerung an 772 am Spiegelgrund ermordete Kinder errichtet worden. An hunderten Kindern waren hier ab 1940 in der "Kinderfachabteilung" grausame und tödliche Versuche durchgeführt worden. Die Hirne der Kinder wurden in Spiritus eingelegt und aufbewahrt. Erst in den 90er-Jahren wurde dieses dunkle Kapitel Wiener "Medizin"-Geschichte aufgearbeitet, nachdem in einer wissenschaftlichen Arbeit das Wirken von NS-Arzt Heinrich Gross dokumentiert worden war. Im April 2002 wurden die Überreste der Kinder bestattet.

Die Lichtstelen stehen extrem eng um den Freiheitsentzug der Kinder zu symbolisieren. Just diese Enge, bedauert Verwaltungsdirektor Schäfer, mache es seinen Gärtnern aber schwer, dem wuchernden Unkraut effizient zu Leibe zu rücken: Dafür, die Gedenkstätte dauerhaft in einem würdigen Zustand zu halten, fehle ihm schlicht das Personal. (Thomas Rottenberg; DER STANDARD, Print-Ausgbe, 25.06.2004)