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Herbert Haupt kann aufatmen

foto: reuters/bader
Wien - Ein Herbert Haupt gibt so leicht nicht auf: Zwar ist mit 3. Juli nach der Vizekanzlerschaft auch der FPÖ-Vorsitz weg - sein Steckenpferd, das Sozialministerium, bleibt aber bis auf weiteres in seiner Hand. Wieder einmal ist es der Parteispitze nicht gelungen, den langjährigen Haider-Gefährten wegzuloben. "Ich weiß, was ich will, der Jörg weiß es auch und die Uschi weiß es auch." Das war im Juni dieses Jahres eine von vielen Haupt-Aussagen "in aller Klarheit". Er liebt seinen Job, will ihn behalten, so lange diese Regierung im Amt ist. Und das wird ihm wohl auch gelingen.

Auslöser der Turbulenzen, auch um Haupt, war das Desaster bei der Europa-Wahl, als die FPÖ eine halbe Million Wähler verloren hatte. Jörg Haider wollte einen Neustart für die Partei, verbunden mit einem jungen Team. Erstes Opfer war Justizminister Dieter Böhmdorfer, der zurücktrat, um einen Generationenwechsel zu ermöglichen. Ihm sollte Haupt folgen. Was dieser aber strikt ablehnte, vor allem, weil er die Pensionsharmonisierung unter Dach und Fach bringen wollte.

Charakteristisch für Haupt ist sein Problem, sich verständlich auszudrücken. Er liebt Schachtelsätze, gewundene Satzkonstruktionen, zusätzlich ist er oft akustisch schwer zu verstehen, er nuschelt - und weiß es. Der Grund dafür ist seine unheilbare Hepatitis C, eine Krankheit, die ihm vor allem stimmlich immer wieder große Schwierigkeiten macht. Folge der verbalen Probleme sind zahlreiche Rückzieher und Korrekturen.

Es war nicht überraschend, dass Haupt im Oktober 2000 die Nachfolge der überforderten Elisabeth Sickl als Sozialminister übernahm, hatte er als freiheitlicher Sozialsprecher doch einen guten Ruf. Aber alles kam anders als gewünscht. Haupt wurde zum wohl schwächsten Glied von Schwarz-Blau I und II. Seine Pannen-Serie reichte vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger über die Ambulanzgebühr bis hin zu Personalfragen - Höhepunkt dabei: die ehemalige Kabinettschefin mit dem falschen Magistratitel, Ute Fabel.

Auf der Haben-Seite der Haupt-Arbeit finden sich zahlreiche Initiativen für Behinderte und für sozial schwache Gruppen. In der Pensionsharmonisierung brachte er bis jetzt recht wenig zu Stande. Am stärksten hatte Haupt stets gewirkt, wenn es um seine Domäne ging, die Veterinärmedizin, Stichwort Schweinefleisch-Skandal und BSE-Krise. Allerdings verlor er diese Kompetenzen nach der letzten Nationalratswahl durch die Bildung eines eigenen Gesundheitsministeriums.

Zwei Charakteristika beschreiben Haupt politisch wohl am Besten. Seine Dickschädeligkeit und seine bedingungslose Loyalität. So ließ er sich vor der letzten Nationalratswahl zum Spitzenkandidaten machen, sich wieder absetzen und dann wieder einsetzen. Schließlich übernahm er auch noch den undankbarsten Job, die Parteispitze, weil sonst keiner wollte.

Allerdings hatten manche seine Gutmütigkeit unterschätzt. Als ihn sein alter Freund Haider im Vorjahr als Parteichef ablösen lassen wollte, führte der Sozialminister einen monatelangen erbitterten Abwehrkampf, ehe er nach diversen Debakeln im Oktober 2003 doch das Vizekanzleramt abgeben musste und zu akzeptieren hatte, dass ihm mit Ursula Haubner eine geschäftsführende Obfrau vor die Nase gesetzt wurde.

Haupt wurde am 28. September 1947 in Seeboden, Kärnten, geboren. 1966 bis 1977 studierte er in Wien Veterinärmedizin (Mag. med. vet.). Während des Studiums wurde er Mitglied des Ringes Freiheitlicher Studenten (RFS). Ab 1977 war Haupt als Tierarzt mit Privatpraxis in Spittal an der Drau tätig, er war FPÖ-Bezirksobmann in Spittal und gehörte dem örtlichen Gemeinderat an. 1986 kam er in den Nationalrat, als Dritter Präsident fungierte er von November 1994 bis Jänner 1996.

Am 24. Oktober 2000 löste er Elisabeth Sickl als Sozial- und Frauenminister ab. Im September 2002 wurde Haupt Parteiobmannstellvertreter, am 31. Oktober Parteichef. Diese Funktion muss er beim Parteitag in Linz am 3. Juli an Haubner abgeben. Seine Vizekanzlerschaft dauerte vom 28. Februar 2003 bis 21. Oktober 2003.

Haupt ist verheiratet mit Frau Renate. Die Ehe blieb kinderlos. Zur Familie gehört aber Hunde-Dame Emily. (APA)