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All smiles bei den kürzlich angeblich noch zerstrittenen Holländern: Roy Makaay, Frank De Boer, Pierre Van Hooijdonk und Marc Overmars (von re nach li).

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Faro-Loule - Nach der "Wunderheilung von Braga" (3:0 gegen Lettland) glauben die zuletzt völlig zerstrittenen Niederländer plötzlich wieder an ihre eigene Stärke, präsentieren sich mit einem Schlag als Einheit und wollen nun die Schweden-"Bomben" entschärfen. Vor dem dritten Spiel des EM-Viertelfinales am Samstag im Algarve-Stadion von Faro-Loule ist jedenfalls alles eitel Wonne im "Oranje"-Lager. So ganz nach dem Motto: Heute verdammt, morgen gefeiert. So schnell dreht sich auch im Fußball die Stimmung.

"Der Erfolg setzt bei uns Kräfte frei. Wir haben wieder ein gutes Gefühl", sagte der vierfache EM-Torschütze Ruud van Nistelrooy. Doch der ManU-Stürmer, sprach aber im selben Atemzug auch gleich eine Warnung aus: "Die Schweden spielen den besten Fußball des Turniers und besitzen viel physische Power. Ihre Stürmer sind in Top-Form. Wir müssen sie unbedingt stoppen", sagte er. Zuletzt ist ihnen das noch unter der Regie des legendären Johan Cruyff allerdings am 4. September 1974 in Stockholm mit 5:1 gelungen ...

Im dritten Duell um den Einzug ins Halbfinale, in dem am Mittwoch Portugal schon wartet, trifft van Nistelrooy (4 Tore) auf Henrik Larsson und Zlatan Ibrahimovic, zwei weiter Protagonisten dieses Turniers, die drei bzw. zwei Goals auf ihrem Konto haben. Der fürs "Tre-Kronor"-Team reaktivierte Larsson spart ebenfalls nicht mit Komplimenten für den Gegner. "Er ist großartig. Mich mit ihm zu vergleichen geht nicht; er ist viel, viel besser", sagte der 32-jährige EM-Rekordschütze seines Landes.

Auch Mittelfeldmann Fredrik Ljungberg sieht die Blaugelben, die seit der EM 2000 nur zwei Bewerbsspiele verloren und in ihren jüngsten acht Spielen stets scorten, gegen den Europameister von 1988 gerne in der Position des Underdogs. "Wir sind als Außenseiter ins Turnier gestartet und haben nicht diesen Druck wie die großen Länder", sagte er. In der Heimat kennt die Begeisterung inzwischen keine Grenzen. Erstmals seit zehn Jahren soll wieder der Einzug ins Semifinale eines großen Turniers geschafft werden. Dies gelang außer bei der WM 1994 nur als Gastgeber von EM 1992 und WM 1958.

Die nationalen Brauereien vermelden Rekordverkäufe und Umsatzsteigerungen im Bierverbrauch von mehr als 20 Prozent. "In Schweden ist ein richtiges Fußballfieber ausgebrochen. Nun wollen wir die Leute zu Hause auch nicht enttäuschen", so Coach Lars Lagerbäck, der den gesperrten Edman ersetzen muss und um dessen blessierten Lucic noch bangt. Dafür steht der gesperrt gewesene Linderoth im Mittelfeld wieder zur Verfügung.

In den Niederlanden nimmt die EURO derweil politische Dimensionen an. Innenminister Johann Remkes reagierte im Parlament in Den Haag mit Entrüstung auf die kritischen Medien-Berichte über Bondscoach Dick Advocaat. Besonders umstritten sind die angeblichen Äußerungen von Jan Mulder. Der Vater des Ex-Schalke-Profis Youri Mulder soll als TV-Experte sarkastisch zur "Hinrichtung" des Trainers aufgefordert haben. Justizminister Piet Hein Donner fürchtet, dass solche Äußerungen von Fans "ernst genommen werden" und forderte Gegenmaßnahmen.

Advocaat, mit 54. Spielen Teamchef-Rekordler in der Nachkriegs-Ära, versucht die Lage zu beruhigen und hält sich vorerst mit öffentlichen Statements zurück. Gegen Schweden kann der Bondscoach wohl erstmals seit Monaten zum zweiten Mal nacheinander die selbe Elf aufbieten. Den verletzten Verteidiger Bouma wird wohl wie gegen Lettland Rekord-Teamspieler F. de Boer vertreten. Im Angriff gibt es nach van Nistelrooys Toren längst keine Zweifel mehr am 4-3-3-System. Auch Roy Makaay akzeptiert inzwischen seine Reservisten-Dasein. (APA/dpa/Reuters)

Viertelfinale:
  • SCHWEDEN - NIEDERLANDE (Samstag, Faro-Loule, 20.45 Uhr MESZ/live ORF, Schiedsrichter Lubos Michel/Slowakei):

    Schweden: Isaksson - Lucic oder Nilsson, Jakobsson, Mellberg, Hansson - Andersson, Linderoth, Källström, Ljungberg - Ibrahimovic, Larsson Es fehlt: Edman (gesperrt)

    Niederlande: van der Sar - Reiziger, F. de Boer, Stam, van Bronckhorst - Seedorf, Davids, Cocu - van der Meyde, van Nistelrooy, Robben