Vilnius - Litauen entscheidet am Sonntag in einer Stichwahl zwischen Ex-Präsident Valdas Adamkus und der ehemaligen Ministerpräsidentin Kazimiera Prunskiene über sein neues Staatsoberhaupt. In letzten Umfragen lag Adamkus (77) gut fünf Prozentpunkte vor der politisch links stehenden Prunskiene (61). Das Parlament hatte Präsident Rolandas Paksas im April wegen Verfassungsbruchs abgesetzt. In der Hauptstadt Vilnius beschäftigten sich Medien und Politiker am Freitag allerdings weiterhin mit einem höchst umstrittenen Einsatz des einheimischen Geheimdienst.

Der Geheimdienst hatte am Dienstag die Zentralen von vier der größten litauischen Parteien durchsucht, um Beweismittel für angeblich illegale Parteifinanzierung und den Korruptionsverdacht gegen mindestens fünf Parlamentarier sicherzustellen. Der Vorsitzende der staatlichen Wahlkommission, Zenonas Vaigauskas, sagte: "Der Schaden für die Wahlen ist enorm." Er erwarte Beschwerden.

Auch in dem Amtsenthebungsverfahren gegen Paskas spielten Geheimdienstberichte eine entscheidende Rolle. Der kommissarisch amtierende Präsident Arturas Paulaskas zeigte sich empört über die jüngsten Ereignisse: "Das provoziert politische Interpretationen." In einer Sondersitzung des Parlaments wurden die Durchsuchungen parteiübergreifend scharf kritisiert. Von den durch die Generalstaatsanwaltschaft genehmigten Razzien waren Parteien betroffen, die den als konservativ bekannten Adamkus unterstützen. (APA/dpa)