Bagdad - Bei einer Anhörung im Zusammenhang mit der Misshandlung irakischer Gefangener hat ein Offizier einen mittlerweile in Deutschland stationierten Oberst des US-Militärgeheimdiensts schwer belastet. Der als Zeuge geladene Hauptmann Donald Reese sagte bei der bis Freitag angesetzten zweitägigen Anhörung vor einem US-Militärgericht in Bagdad, Oberst Thomas Pappas sei bei einem tödlich verlaufenen Verhör im Gefängnis Abu Ghraib nahe der irakischen Hauptstadt zugegen gewesen.

"Noch kampflustig"

Reese gab an, ihm sei gesagt worden, dass der Gefangene bei seiner Einlieferung nach einem Anschlag auf den Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad am 27. Oktober 2003 "noch kampflustig" gewesen sei. Er habe den Mann, der aus dem Kopf, der Nase und dem Mund blutete, erstmals gesehen, als er schon tot in einer Dusche lag.

Zunächst sei ihm gesagt worden, der Mann sei einem Herzinfarkt erlegen, führte Reese aus. Doch er habe Pappas sagen hören: "Dafür werde ich nicht allein büßen". Die Leiche sei die ganze Nacht in der Dusche eingeschlossen geblieben. Die Autopsie am nächsten Tag habe als Todesursache ein von einer Verletzung stammendes Blutgerinnsel ergeben.

Verfahren gegen Sabrina Harman

Reese sagte in dem Verfahren gegen die 26-jährige Militärpolizistin Sabrina Harman aus, die unter anderem wegen Misshandlung von Gefangenen und Entweihung einer Leiche angeklagt. Auf einem vom US-Nachrichtensender CNN im Mai gezeigten Foto ist die Militärpolizistin grinsend neben der Leiche eines Gefangenen zu sehen. Im zivilen Leben war Harman stellvertretende Chefin einer Pizzeria in Virginia. In einem früheren Interview sagte sie, ihre Einheit habe auf Anweisung des Militärgeheimdiensts, der CIA und von US-Zivilisten mit Pentagon-Vertrag gehandelt. (APA)