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Marcello Lippi soll es nun in Italien richten.

Foto: REUTERS/Jeff J Mitchell

Rom - Marcello Lippi soll die "Azzurri" aus dem Tal der Tränen führen. Der ehemalige Erfolgscoach von Juventus Turin trat als neuer Nationaltrainer Italiens am Freitag wie erwartet die Nachfolge des glücklosen Giovanni Trapattoni an. Damit zog der italienische Fußballverband in einer Krisensitzung in Rom die Konsequenzen aus dem blamablen Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft in Portugal. Im Gegensatz zu seinem deutschen Kollegen Rudi Völler konnte Trapattoni von der Bühne verschwinden, ohne eigens den Rücktritt einzureichen: Sein Vertrag endet ohnehin am 15. Juli.

Erfolgreich, aber teuer

Der 56 Jahre alte Lippi ist einer der erfolgreichsten Trainer Italiens: Er wurde mit "Juve" fünf Mal italienischer Meister (1995, 1997, 1998, 2002, 2003) und gewann 1996 die Champions League. Zudem stand er in den vergangenen Jahren drei Mal im Champions-League-Finale und wurde 1996 und 1998 zum Welt-Klubtrainer des Jahres gewählt. Allerdings verlief die vergangene Saison eher enttäuschend für "Juve".

Nur das Gehalt für den weißhaarigen Toskaner mit der Zigarillo als Markenzeichen soll ein Problem gewesen sein. Eine Million Euro soll Lippi pro Jahr kassieren, berichteten italienische Medien - deutlich mehr als der glücklose "Trap". Dieser warnte seinen Nachfolger vor allzu hochfliegenden Plänen: "Lieber Lippi, Nationaltrainer sein ist hart und viel schwieriger als Vereinstrainer zu sein." Lippis Aufgabe ist nicht einfach: Nach 24 erfolglosen Jahren soll Italien bei der WM 2006 in Deutschland endlich wieder einen Titel holen. Die letzte von drei Weltmeisterschaften gewann die "Squadra Azzurra" 1982 in Spanien im Finale gegen Deutschland.

Revolution

"Lippi bringt die Revolution", bejubelte der Mailänder "Corriere della Sera" die bereits seit Tagen feststehende Personalentscheidung. Allerdings wurde auch Zweifel an Lippi geäußert. "Wegen seiner manchmal abenteuerlichen Aufstellungen" bei "Juve", wie der "Corriere della Sera" schrieb. Und manche meinen, die allseits geforderte Revolution wird so revolutionär gar nicht ausfallen: Auch Lippi wolle die "Nazionale" um Spielmacher Francesco Totti herum aufbauen.

Neben dem Wechsel an der sportlichen Spitze stand aber auch der Verband vor einer Veränderung. Verbandspräsident Franco Carraro hatte seinen Rücktritt angeboten, was der Verband aber zurück gewiesen habe. "Ich glaube, ich muss die Haupt-Verantwortung für diese beiden Misserfolge bei der WM 2002 und in Portugal tragen", sagte Carraro. (APA/dpa)