Wien/Budapest - Ozon kann heiser, Ozon kann müde machen. Den Wiener Grünen-Mandatar Rüdiger Maresch, der am Freitag die Verteilung ozonsensibler Rubbelkarten in der Ostregion ankündigte, ärgert jedoch vor allem die Machtlosigkeit des Bürgers dem Reizgas gegenüber.

Das neue SMS-Infoservice von Umweltbundesamt, Lebensministerium und Mobilcom Austria, das gegen Handynetzgebühr die Ozonwerte am jeweiligen Aufenthaltsort weitergibt, sei kein Ersatz für Maßnahmen gegen den Ozonverursacher Nummer eins, betonte er: den Straßenverkehr, der - wie die Grünen es am Freitag forderten - im Raum Wien mittels City-Mauts in Schach gehalten werden solle.

Solche Maßnahmen würden den Ländern obliegen, "wir können die Warnsysteme nur verknüpfen", reagierte darauf Christian Popp aus dem Büro vom Umweltminister Josef Pröll (ÖVP). Die Länder wären seit vergangenen Sommer verpflichtet gewesen, Ozon-Aktionspläne zu beschließen: "Bisher", so Maresch, "gibt es noch keinen einzigen".

Atempause

Das heurige Wetter hat den Verantwortlichen jedoch eine Atempause verschafft: Seit die Temperaturen auf Sommer ähnliches Niveau gestiegen sind, hat es laut Ruth Baumann, Leiterin der Abteilung Lufthygiene im Umweltbundesamt, im Osten nur an zwei Tagen Ozonhöchstwert-Überschreitungen gegeben. In Kärnten kletterte die Reizgaskonzentration in der Luft an einem Tag über die derzeit verbindlichen 180 Mykogramm per Kubikmeter Luft.

Der Rest des Bundesgebiets blieb überschreitungsfrei. Böses "Bodennahes Ozon braucht, um sich zu bilden, hohe Temperaturen und viel Sonneneinstrahlung", erläutert Baumann. Die Sonne sei bisher nie länger als höchstens zwei Tage von Wolkenbildung ungestört geblieben.

WHO: Abgeschwächt

Um Ozon ging es unter anderem auch bei der Budapester Konferenz der Weltgesundheitsorganisation WHO über Kinder, Umwelt und Gesundheit, die Freitagnachmittag einen Aktionsplan verabschiedet hat. Tausend Teilnehmer, darunter 52 Gesundheits- und Umweltminister, brachten ihre Besorgnis zum Ausdruck, dass die "auf Umweltgefahren zurückzuführende Krankheitslast weiterhin schwer wiegende Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung hat".

Die Schwerpunktlegung auf Kinder, von Österreich massiv in die Diskussionen eingebracht, fand in dem Aktionsplan nur wenig Platz. Dabei, so Pröll-Sprecher Popp, hätte die Angreifbarkeit der Jüngsten als "Messlatte" für europaweit vernetzte Maßnahmen gelten sollen. Die ungarische Umweltorganisation "Levegö Munkacsport" (Arbeitsgruppe Luft) reagierte mit Kritik. Greenpeace hatte schon Donnerstagabend mittels Gasmasken bewährter Babypuppen Protest eingelegt. (bri, Der Standard, Printausgabe, 26.06.2004)