Budapest - Mit der Verabschiedung der Konferenzerklärung und eines Aktionsplanes zum Thema "Kinder-Umwelt-Gesundheit" ging am Freitag in Budapest die 4. Minister-Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Ende. Bei der Tagung berieten Gesundheits- und Umweltminister aus 52 Ländern über der Zusammenhang zwischen Umweltproblemen und Kindergesundheit. In der Konferenzerklärung brachten die rund 1.000 Teilnehmer ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass die "auf Umweltgefahren zurückzuführende Krankheitslast weiterhin schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung hat".

Kritik wird an der Tatsache geübt, dass für die Unterzeichnung des Protokolls über Wasser und Gesundheit zum Übereinkommen von 1992 über den Schutz und die Nutzung grenzüberschreitender Wasserläufe und internationaler Seen bis April 2004 nur elf Staaten "Ratifizierungsinstrumente zum Protokoll hinterlegt hatten". Die nationalen Aktionspläne für Umwelt und Gesundheit werden als "wirksame Mechanismen" für die Politikgestaltung im Bereich Umwelt und Gesundheit genannt, und die Bemühungen um deren Durchsetzung begrüßt.

Koordination

Dabei soll eine enge Koordination mit der Umwelt- und Gesundheitsstrategie der Europäischen Kommission und deren Aktionsplan von 2004 bis 2010 gesichert werden. Die extremen Witterungsereignisse der jüngsten Zeit hätten in Europa "schwerwiegende gesundheitliche und soziale Probleme verursacht". Auch hier soll es in Zukunft Maßnahmen geben. Die WHO wird aufgefordert, diese Verpflichtungen durch ihr Europäisches Zentrum für Umwelt und Gesundheit und in Zusammenarbeit mit der Welt-Meteorologieorganisation und der Europäischen Umweltagentur (EUA) zu unterstützen.

Sorgen werden weiters wegen der mit Gesundheit und Umwelt am Arbeitsplatz verbundenen Krankheiten betont. Deshalb soll die Zusammenarbeit zwischen Industrie und den Gewerkschaften in diesem Bereich gefördert werden. Alle Formen der Kinderarbeit, die der Gesundheit oder dem Wohlergehen des Kindes schaden, sollen beseitigt werden. Hinsichtlich der schädlichen Auswirkung von Chemikalien verweist die Konferenzerklärung auf die neue Chemikalienpolitik der Europäischen Union (REACH), mit der angestrebt werde, die "notwendigen Informationen für angemessenes Risikomanagement bereitzustellen". Verstärkte Aufmerksamkeit wird für die chemische Zusammensetzung von Produkten gefordert, mit denen Kinder in ihrem Alltag in Berührung kommen.

Wohnungspolitik

Hinsichtlich der Gestaltung einer gesundheitsgerechten Wohungspolitik wird gefordert, Gesundheits- und Umweltaspekte zum "Kern einer jeden Wohnungspolitik" zu machen. Gefördert werden soll der Einsatz von erneuerbaren Energieformen - wie Wasserkraft, Biomasse, Wind und Solarenergie. Die Unterzeichner der Erklärung wollen dafür sorgen, dass die Konzepte des Aktionsplanes auf nationaler Ebene "wirksam umgesetzt werden", kritisieren zugleich, dass "gesundheitliche Aspekte" fast zwei Jahre nach dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg immer noch keinen ausreichenden Eingang in internationale und nationale Initiativen und Aktionspläne gefunden hätten.

Das verabschiedete Aktionsprogramm der Budapester WHO-Konferenz unterstreicht, dass sich ein Drittel der gesamten Krankheitslast zwischen Geburt und dem 18. Lebensjahr auf ein unsicheres und ungesundes häusliches und soziales Umfeld zurückzuführen lässt. Hinzu kämen noch Umweltbedingungen (Wasser, Luft, Lebensmittel, Boden), die für ein weiteres Sechstel der Erkrankungen verantwortlich wären. Als Voraussetzung eines wirksamen Handelns zum Schutz der Gesundheit der Kinder wird die Vorsorge genannt. Vorsorge im Bereich der Umwelt sei auch schon für Ungeborene wichtig. Gefordert werden auch Chancengerechtigkeit und damit Schutz für die am stärksten gefährdeten Kinder, wie vernachlässigte, behinderte oder ausgebeutete Kinder oder Kinder, die unter den Folgen von bewaffneten Konflikten und Vertreibungen leiden. (APA)