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Boris Tadic gewinnt die Präsident­schafts­wahlen

Foto: AP/Vojinovic
"Das ist nicht mein Sieg. Es ist ein Triumph der Idee eines weltoffenen, europäischen Serbien", erklärte Boris Tadic, Vorsitzender der Demokratischen Partei (DS), nachdem er am Sonntag zum Präsidenten Serbiens gewählt worden war. Er werde sich für die regionale und europäische Integration Serbiens einsetzen und die Mitgliedschaft Belgrads in der Nato anstreben.

In der Nacht auf Montag feierten Tadics Anhänger auf den Straßen Serbiens den "Sieg der Zukunft über die Vergangenheit". Nach offiziellen Angaben siegte Tadic mit 53,5 Prozent gegen den Ultranationalisten Tomislav Nikolic (45,1). Die Wahlbeteiligung war mit 48 Prozent etwas höher als im ersten Wahlgang vor zwei Wochen.

Noch zu Jahresbeginn schien die nach dem Attentat auf Parteichef und Premier Zoran Djindjic von Korruptionsaffären erschütterte DS auf dem Boden zu sein. Nach vorgezogenen Parlamentswahlen im Dezember ging die DS in die Opposition. Der Außenseiter und "Saubermann" Tadic drängte sich als Parteivorsitzender auf.

Verhandlungen statt Konfrontation, Versöhnung statt Streit lautete während der Wahlkampagne das neue Motto der DS unter Tadics Führung. Und er schaffte es auf diese Weise, das zerstrittene proeuropäische Lager zu einen und die apathischen serbischen Wähler zur Stimmabgabe zu motivieren.

Tadic habe ihn mit den Stimmen der "nationalen Minderheiten" geschlagen, gab Radikalenführer Nikolic seine Niederlage zu. Der Kampf für Serbien habe jedoch erst begonnen, denn schon bis Jahresende stünden Kommunalwahlen, Landeswahlen in der Vojvodina und vorgezogene Parlamentswahlen bevor.

Obwohl das Amt des serbischen Präsidenten überwiegend repräsentativ ist, sorgt der Sieg Tadics nach langer Zeit wieder für Aufbruchsstimmung im demokratischen, proeuropäischen Lager. Die wirtschaftliche und soziale Misere, die ungeregelten Verhältnisse der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro, der ungelöste Status des Kosovo lassen jedoch keine Zeit zum Feiern. Und vor allem die Schwäche der serbischen, von Milosevic-Sozialisten unterstützte Minderheitsregierung, die nach dem Debakel ihres Präsidentschaftskandidaten im ersten Durchgang vorgezogene Parlamentswahlen angekündigt hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2004)