Wien - Zigtausende bunt kostümierte und leicht bekleidete Teilnehmer marschierten am Samstag wieder bei der neunten Regenbogenparade über die Wiener Ringstraße. Beginnend beim Schwedenplatz ging der Zug andersrum - also entgegen der Fahrtrichtung - zum Museumsquartier. "Wir haben sicher die 100.000er-Marke an Besuchern überschritten", war Christian Högl vom Veranstalter, der Homosexuelle Initiative (Hosi) Wien, überzeugt.

Damit wäre die diesjährige Parade die zweiterfolgreichste seit Bestehen. Lediglich als 2001 in Wien das europaweite Schwulen- und Lesben-Festival "Europride" stattfand, wurden mehr Teilnehmer verzeichnet. Auch bei der Bundespolizeidirektion Wien war man zufrieden mit dem Verlauf der Parade, auch wenn man sich auf Besucherzahlen noch nicht festlegen wollte: "Die Stimmung ist gut", beteuerte ein Sprecher. Es habe bisher noch keinerlei Vorfälle gegeben.

Kostüme

Mehr als in den Vorjahren wurde heuer auf die großen Technowägen verzichtet und stattdessen auf das originellste Kostüm hingearbeitet: Passend zur Fußball-EM hatte sich eine Gruppe als "Schwooligans" kostümiert und zog mit grölenden Parolen über den Ring. Dahinter folgten gleich vier Kaiserinnen Sisi in offenen Cabriolets.

Aber auch das Altvertraute durfte nicht fehlen: Traditionell ließ sich Hermes Phettberg in einem offenen Fiaker über den Ring kutschieren. Und auch die neue Klubchefin der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, radelte wieder im Tandem mit der Grünen Gemeinderätin Marie Ringler unter dem Schild "Just married".

Neben dem Spaß sollte es auch um politische Anliegen gehen: Um 17:00 Uhr wurde mit einer Schweigeminute den Opfern homophober Gewaltverbrechen gedacht. Bei den zufälligen Passanten rief die Parade aber nur in wenigen Fällen Unmut hervor: "Einer hat uns aber Eier in den Festwagen geschmissen", amüsierte sich Tänzer Markus P. im Gespräch mit der APA. Allerdings habe es in den vergangenen Jahren schon Schlimmeres gegeben. So sei er einmal sogar mit einem Stein beworfen worden. "Wenn den unsere Security erwischt hätte, hätten sie ihn mit Handtaschen verprügelt", meinte der Student und zog tanzend weiter.

Ziel der Parade war auch heuer wieder das Museumsquartier, wo die Abschlussveranstaltung stattfand. Dort traten neben bekannten DJs auch der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer auf.

Halbe Million in Paris Mehr als eine halbe Million Menschen haben am Samstag in Paris die traditionsreiche und bunte "Gay Pride"-Parade gefeiert. Der Umzug der Lesben, Schwulen und Transsexuellen stand diesmal unter dem Motto der "Gleichheit" mit Heterosexuellen nicht zuletzt vor dem Gesetz und der Abkehr von Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen.

In Frankreich hatte vor kurzem die erste standesamtliche Heirat zweier Schwuler eine heftige Diskussion ausgelöst. Nach Angaben der Polizei kamen 500.000 zu der Parade, die Organisatoren zählten etwa 700.000. (APA)