Wien - Mit Donnerstag, 1. Juli, tritt der erste Teil der Steuerreform in Kraft. Das Pendlerpauschale wird rückwirkend mit Jahresbeginn um 15 Prozent, der Alleinverdienerabsetzbetrag um einen Kinderzuschlag erhöht. Ab Juli werden die neuen Sätze bei der Gehalts- bzw. Lohnverrechnung berücksichtigt. Für das erste Halbjahr kann der Arbeitgeber die Lohnverrechnung "aufrollen", also eine nachträgliche Auszahlung veranlassen. Geschieht das nicht, muss der Arbeitnehmer das ihm zustehende Geld im Zuge des Jahresausgleichs geltend machen.

Familienpaket

Die rückwirkenden Änderungen beim Alleinverdienerabsetzbetrag und beim Pendlerpauschale sind von der FPÖ als "Familienpaket" in die Steuerreform hineinreklamiert worden. Sichergestellt sein sollte, dass bereits 2004 zumindest ein Teil der Entlastungen in Kraft treten kann. Das Entlastungsvolumen gibt die Regierung mit 250 Millionen Euro jährlich an.

Anhebung der Zuverdienstgrenze

Der Kinderzuschlag zum Alleinverdienerabsetzbetrag ist nach der Kinderzahl gestaffelt. Für das erste Kind beträgt er 130 Euro, für das zweite 175 Euro und für jedes weitere Kind 220 Euro pro Jahr. Neu ist aber auch die Anhebung der Zuverdienstgrenze von 4.400 auf 6.000 Euro pro Jahr.

Die Erhöhung des Pendlerpauschales muss der Arbeitgeber ab Juli bei der Lohnverrechnung automatisch berücksichtigen. Um in den Genuss dieser Leistung zu kommen, muss der Arbeitnehmer nicht von sich aus aktiv werden.

Anders stellt sich die Situation beim Kinderzuschlag zum Alleinverdienerabsetzbetrag dar. Voraussetzung dafür ist ein Antrag an den Arbeitnehmer. Das dafür vorgesehene Formular "E 30" steht auf der Website des Finanzministeriums zum Download zur Verfügung. Der erhöhte Absetzbetrag muss vom Arbeitgeber berücksichtigt werden, sobald der Antrag eingebracht wurde.

Zwei Wege der rückwirkenden Verrechnung

Die rückwirkende Verrechnung für das erste Halbjahr 2004 kann sowohl für das Pendlerpauschale als auch für den Alleinverdienerabsetzbetrag auf zwei Wegen erfolgen - durch den Arbeitgeber oder durch den Arbeitnehmer selbst. Das "Aufrollen" durch den Arbeitgeber kann bis Ende November erfolgen, der Arbeitnehmer profitiert dann bei der nächst folgenden Gehalts- bzw. Lohnzahlung. Der Arbeitgeber verrechnet dann seinerseits mit dem Finanzamt. Für den Alleinverdienerabsetzbetrag ist auch in diesem Fall ein Antrag nötig.

Kommt es nicht zum Aufrollen, muss der Arbeitnehmer seine Ansprüche per Jahresausgleich ans Finanzamt geltend machen. Die Frist dafür läuft fünf Jahre, von Anfang 2005 bis Ende 2009.

Ist das Einkommen so gering, dass der Alleinverdienerabsetzbetrag nicht voll ausgeschöpft werden kann, besteht die Möglichkeit eines Bezugs als "Negativsteuer". Ein Antrag dafür ist direkt ans Finanzamt zu richten. (APA)