Am Ende eines einstündigen, durchaus vergnüglichen Gesprächs kommt die Frage, die sich schon die ganze Zeit beim Durchgehen der verschiedenen Wegstationen des 49-jährigen David C. Davies aufgedrängt hat: "Wohin geht's als Nächstes, Mister Davies?"

Und siehe da, es folgt kein wütendes Dementi, kein verlegenes Hüsteln mit Blick auf den danebensitzenden OMV-Pressereferenten. Es folgt nur nach kurzem Zögern die klare Antwort: "Jobhoppen ist ein interessanter Begriff. Man kann nie bestimmen, was wirklich auftaucht und auf einen zukommt."

Doch zur Beruhigung des Pressereferenten und wohl auch der übrigen Geschäftsführung dann Davies' Feststellung, dass er derzeit "äußerst zufrieden" sei, mit seiner seit 32 Jahren angetrauten Frau und einem seiner drei Söhne hier zu leben, dem Radfahren, Skifahren, Fischen und seiner geliebten Modelleisenbahn frönen zu können.

Wenngleich das Wetter die letzten beiden Jahre, vor allem im letzten "Jahrhundertsommer" "enttäuschend" gewesen sei. Wer je in Davies tiefgekühltem Arbeitszimmer war, weiß, was er meint.

David C. Davies, Jahrgang 1955, Vater Bauarbeiter, ein Bruder, zwei Halbbrüder, studiert Volkswirtschaft, erster Job in Liverpool bei einer Wirtschaftsprüferfirma. 1981 - nicht ganz ernst gemeint - ein prägendes Jahr, da zum ersten Mal im Ausland: in Paris, wo Liverpool im Finale des Europacups Real Madrid 1:0 besiegt. Seine Liebe zum FC Liverpool hat sich seither fast noch vergrößert, wenn das möglich ist. Und er hat die Liebe zum Ausland und zum Jobhoppen entdeckt: 1982 bis 1983 nach Mailand zur dortigen Price Waterhouse, dann für fünf Jahre zur BOC Group, einem britischen multinationalen Unternehmen, das sich auf chemische Gase und Gesundheitswesen spezialisiert hat.

Dann bei einem globalen Anbieter für Lebensmittel, Getränke und Restaurantleistungen, 1994 setzt er zum ersten Mal seinen Fuß in Asien auf, als Finanzdirektor für International Distillers und Vintners, bei Burger King Corporation in Miami/Florida, bei Walt Disney Company und so weiter und so fort.

Im Schnitt beträgt seine Anwesenheit bei einer Firma zwei Jahre, dann - erzählt er schmunzelnd - kommt ein Anruf von einem "Headhunter" und lockt ihn zu neuen Ufern, seit April 2002 eben zur OMV nach Wien, wo er als Finanzvorstand Kontakt zu den Privateigentümern ebenso halten muss wie die Kommunikation mit Investoren im In-und Ausland.

Großer Brocken

Eines der größten, wenn nicht das größte Projekt derzeit ist der beabsichtigte Erwerb der rumänischen "Petrom", ein großer Brocken, der wohl um die zwei Milliarden Euro schwer wiegt. Die OMV hat ein Exklusivangebot abgegeben und ist in Verhandlung mit der Regierung.

Sollte es tatsächlich zu diesem Deal kommen, würde die OMV zu ihrer derzeitigen täglichen Fördermenge von 130.000 Fass weitere 220.000 Fass dazubekommen und würde damit seine Position in Europa beachtlich ausweiten.

Der neuen kroatischen Regierung hat man einen Brief geschrieben, indem man sich höflich nach weiteren Privatisierungsplänen erkundigt, ohne konkret Absichten zu formulieren. Aber: "Das Interesse an der INA besteht nach wie vor." Offen lässt Davies die Frage nach der Eigentümerstruktur im Falle einer durch den Petrom-Kauf möglicherweise notwendig werdenden Kapitalerhöhung. Ob in diesem Fall die ÖIAG, mit 35 Prozent der größte Einzelaktionäre der OMV, dabei mitziehen würde, lasse sich nicht sagen. Eine recht gute Nachricht hat Davies zum Abschluss für Autofahrer: Für heuer sollte der Rohölpreis im Durchschnitt 30 Dollar je Fass betragen, im nächsten Jahr zwischen 25 und 28 Dollar und langfristig auf 20 Dollar zurückgehen. Ihr Wort in Gottes Ohr, Mister Davies, und in das der Ölscheichs! (Der Standard, Printausgabe 26./27.6.2004)