Wien - Österreichs private Haushalte verschulden sich wieder verstärkt in fremden Währungen. Schon bisher waren sie in der Eurozone für ihren relativ hohen Anteil an Fremdwährungskrediten bekannt. Nun ist der Anteil der Fremdwährungskredite bei den heimischen privaten Haushalten auf den historischen Höchststand von über 27 Prozent gestiegen. Dies teilte der Hauptabteilungsleiter in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Andreas Ittner, am Montag bei der Präsentation des 7. Finanzmarktstabilitätsbericht mit. Bei den Unternehmen zeigte sich dagegen eine Stabilisierung des Fremdwährungsanteils bei rund 18 Prozent. Die Fremdwährungskreditsumme stieg dabei umgerechnet auf den neuen Höchstwert von 45,5 Mrd. Euro.

Trend zu Schweizer Franken

Positiv vermerkte Ittner den anhaltenden Trend zur Verschuldung der privaten Haushalte in Schweizer Franken und die seit Mitte 2000 bestehende Tendenz, Yen-Kredite in Euro- oder Franken-Kredite zu konvertieren. Der Anteil der Franken-Kredite an den Fremdwährungskrediten der privaten Haushalte erhöhte sich per Ende März auf 83 Prozent, der Anteil der Yen-Kredite verminderte sich dagegen auf 9 Prozent, so Ittner. Am Höhepunkt des Yen-Booms im zweiten Quartal 2002 lag der Anteil der Yen-Kredite noch bei 43 Prozent. Die Yen-Kredite machen 2,1 Mrd. Euro aus. Bei einem durchschnittlichen Hausbaukredit von 100.000 bis 150.000 Euro entspräche dies 15.000 bis 20.000 Häusern, gibt Ittner zu bedenken. Im Vergleich dazu wären die Österreicher bei der Veranlagung ihrer Gelder viel risikoaverser, nur 190 Mio. Euro wären in Risikokapital veranlagt, so Ittner.

OeNB-Direktor Josef Christl sieht im wieder anziehenden Trend zu Fremdwährungskrediten kein Scheitern der Nationalbank-Politik, die in letzter Zeit verstärkt vor den Risken eines Fremdwährungskredites warnt. Ohne diese Warnungen läge der Anteil vielleicht noch höher, so Christl. "Offensichtlich ist der Fremdwährungskredit in Österreich schon sehr gut institutionaliert", so der OeNB-Direktor. Die österreichischen Konsumenten würden anscheinend sehr stark auf die günstige Verzinsung schauen und das Wechselkursrisiko als relativ gering beurteilen. Die OeNB werde weiter über das Wechselkursrisiko informieren. Verbote von Fremdwährungskrediten werde es keine geben.

Risiko des Wechselkursausschlags

Ittner wies darauf hin, dass Wechselkurse nicht alleine von ökonomischen Rahmenbedingungen getrieben werden. Es könne kurzfristig zu raschen Kursausschlägen kommen und in der Folge das Kursniveau langfristig hoch bleiben. Dies sei bisher zwar nicht erlebt worden, könne aber jederzeit stattfinden und stelle ein Risiko dar.

Wie die OeNB im Finanzmarktstabilitätsbericht weiter hervorhebt, haben sich auch die österreichischen Gemeinden seit 1998 verstärkt in fremder Währung verschuldet. Per Ende Februar 2004 waren 8,5 Prozent der Kredite von Gemeinden bei inländischen Kreditinstituten nicht in Euro denominiert. Ihr Wert war im Vergleich mit den privaten Haushalten und Unternehmen mit 1,1 Mrd. Euro relativ gering. In Summe ergibt sich zwar kein Risikopotenzial für die Finanzmarktstabilität. Einzelne Gemeinden weisen aber über 40 Prozent Verschuldung in fremder Währung auf. Dies trifft laut OeNB insbesondere auf Gemeinden in Vorarlberg, Tirol und dem Burgenland zu. Dieser Umstand sei wegen des zu tragenden Wechselkursrisikos und einer allfälligen Vorbildwirkung für private Kreditnehmer beachtenswert. (APA)