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Hans Blix interessiert die "Wahrheit".

Foto: AP/Bernd Kammerer
Wien - Die Sache ist für Hans Blix noch nicht vorbei. Bilanz über seine Zeit als Chef der UNO-Waffeninspektoren (Unmovic) bis Juni 2003 hat er schon in seinem jüngst erschienenen Buch "Mission Irak" gezogen. Aber da bleibt die Frage nach der weiteren Dimension des Falles Irak.

Nicht zuletzt Hinweise in Richard Clarkes "Against All Enemies", dass der US-Geheimdienst schon 1991 massiv die Hände bei den UNO- Waffeninspektionen im Irak im Spiel gehabt hat, lassen den 76-jährigen schwedischen Diplomaten im Gespräch mit dem Standard über das Verhältnis zwischen Inspektionen und Geheimdiensten nachdenken.

"Eine der wichtigsten Lektionen aus dem Irak ist", sagt Blix, "dass die UNO- und die IAEA-Inspektoren näher an die Realität herangekommen sind als die Geheimdienste." Wobei es im Fall Irak besonders "misslich sein würde", wenn die USA Informanten geglaubt hätten, die nicht an der Abrüstung, sondern an der Invasion interessiert waren.

Blix nimmt derzeit in Wien an einer Tagung einer neuen "Kommission für Massenvernichtungswaffen", einem prominent besetzten Think-Tank, teil und sprach als Gast des OIIP (Österreichisches Institut für Internationale Politik) in der Diplomatischen Akademie. Von den USA fordert Blix Aufklärung der UNO - immerhin ist ja die UN-Resolution für die Abrüstung des Irak noch in Kraft -, was Aussagen der von ihnen in den Irak geschickten Waffensucher der Iraq Survey Group (ISG) betrifft. Deren Chef, Charles Duelfer, früher einer der UNO-Waffeninspektoren, hatte unlängst gesagt, dass er "nicht im Irak ist, um Waffen zu suchen, sondern die Wahrheit".

An dieser Wahrheit würden die UNO-Waffeninspektoren auch gerne teilhaben: So bleibt etwa die Frage zu klären, wann denn der Irak die Waffen, deren ungeklärter Verbleib 2003 der Kriegsgrund war, wirklich zerstört hat - Blix selbst scheint heute der Meinung zuzuneigen, dass es 1991 war, wie von den Irakern immer angegeben.

Und vom früheren ISG-Chef David Kay, der inzwischen die Suche aufgegeben hat, stammt die Aussage, dass es keine Waffen, aber doch "Programme" gegeben habe. Dafür will Blix Beweise sehen - weist aber subtil auf das Schicksal anderer von den Amerikanern vor dem Krieg präsentierter "Beweise" hin.

Appell für Saadi

Eine Rede vor wenigen Tagen vor dem Carnegie Endowment for Peace in Washington nützte Blix auch für einen unterschwelligen Appell für seinen früheren irakischen Counterpart, Amir al-Saadi. Saadi hatte, nachdem er sich sofort nach dem 9. April 2003 selbst den Amerikanern gestellt hatte, gesagt, dass er dabei bleibe, dass der Irak keine verbotenen Waffen habe und dass die Zeit ihm Recht geben werde. Trotzdem, so Blix, werde Saadi "seit 14 Monaten in Isolationshaft gehalten".

Blix "kann Zeugnis ablegen, dass Saadi immer völlig korrekt war. Klar, dass er gemäß den Instruktionen agierte, aber da war nie auch nur ein "Zentimeter Propaganda. Und ich bin der Meinung, dass 14 Monate Isolationshaft sehr viel sind. Und da gibt es ja auch noch andere. . ."

Für die Unmovic (U.N. Monitoring, Verification and Inspection Commission), die jetzt sein früherer Vize Dimitri Perricos leitet, sieht Blix durchaus Aufgaben für die Zukunft. In Resolution 687 (1991), die die Abrüstung des Irak anordnete, steht auch, dass dies nur ein erster Schritt in Richtung einer massenvernichtungsfreien Zone im Nahen Osten sei. Mit einem umformulierten Mandat könne man die Kommission als neues Instrument des Sicherheitsrates noch einsetzen (für Nuklear- und Chemiewaffeninspektionen gibt es allerdings eigene Instrumente). (DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2004)