Wien - Es regnet, obwohl die Sonne scheinen sollte; es blitzt, obwohl der Himmel wolkenlos angesagt war. Eines haben Wetter und Trefferquote der Vorhersagen seit einigen Wochen gemeinsam: Beide sind unbeständig. Zuletzt am vergangenen Sonntag, als das prognostizierte Badewetter vielerorts ins Wasser fiel.

"Es war nicht viel, nur 0,5 bis zwei Millimeter Niederschlag", erklärt Herbert Gmoser, der Chef des Vorhersageteams in der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). "Aber es hat unsere Badewetterprognose zunichte gemacht", gesteht er im STANDARD-Gespräch ein. Schuld seien nicht mangelhafte Berechnungen, sondern eine "um Nuancen zu optimistische Interpretation" der Ergebnisse. Ähnlich sei die Situation zu Fronleichnam (am 10. Juni) gewesen, als sich Gewitter einige Stunden früher als vorausgesagt zusammengebraut hatten.

"Alle Fälle, in denen wir versagt haben, werden einer Nachkontrolle unterzogen, um aus den Fehlern zu lernen", betont Gmoser. Die Erfolgsquote für Vorhersagen betrage immerhin bereits 90 Prozent. Was Meteorologen das Leben schwer mache, seien komplexe Witterungseinflüsse knapp über dem Erdboden - lokale Entwicklungen seien deshalb schwer einzuschätzen. "Gerade das ist aber zum Beispiel wichtig für Bauern, die Heu einbringen. Die müssen wissen, ob es die nächsten drei Tage trocken bleibt", so Österreichs Chefmeteorologe.

Bei Trendvoraussagen für acht Tage beträgt die Trefferquote noch durchschnittlich 60 Prozent. Demnach wird sich das ersehnte Azorenhoch auch weiterhin nicht so richtig gegen die atlantischen Störenfriede durchsetzen können: Sonne, Regen, Sonne, Gewitter, Sonne ... (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2004)