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US-Zivilverwalter Paul Bremer hat noch am Montag den Irak verlassen.

Foto: REUTERS/Pauline Lubens/San Jose Mercury News-Pool
Er ging, wie er kam: im dunkelblauen Anzug und mit Kampfstiefeln. Paul Bremer, der 62-jährige US-Diplomat, der seit Mai 2003 die Verwaltungsbehörde der Besatzungsmächte im Irak führte, verschwand am Montag innerhalb von zwei Stunden nach der stillen Machtübergabe in einem Büro seiner Behörde. Einen Hubschrauber habe er bestiegen, gab US-General Mark Kimmett Auskunft, und dann eine Transportmaschine auf dem Bagdader Flughafen zurück in die USA.

Unterdessen soll Bremers Nachfolger, der wegen seiner Tätigkeit in Lateinamerika umstrittene John Negroponte, im Irak eingetroffen sein.

Bremer wurde oberster Zivilverwalter im Irak, nachdem sich die ursprüngliche Wahl des Pentagons - Exgeneral Jay Garner - als Missgriff erwies. Garner war überfordert mit dem Chaos der ersten Nachkriegswochen und verlor sich in Konsultationen mit Stammesführern. Bremer, dem der Ruf eines Managers mit ausgeprägtem Ego voranging, kam - und traf eine erste Fehlentscheidung: die Auflösung der 400.000 Mann starken Armee Saddam Husseins. Die arbeitslosen Soldaten bildeten seither das Rückgrat des bewaffneten Aufstands im Irak.

Mitarbeiter kritisierten zudem Bremers Nachsicht gegenüber den Mitgliedern des Regierungsrates, weil sie auf die Behörde zurückfalle. "Ihre Korruption ist unsere Korruption", hieß es in einem Memorandum. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2004)