Eisenstadt - Im Aufsichtsrat der Bank Burgenland stand am Montagabend auch eine Personalfrage zu lösen an. Es ging um die Ablösung von Vorstandsdirektor Gerold Stagl. Sein Nachfolger soll per 1. Juli der bisherige Kreditchef der Bank, Gerhard Nyul, sein. Über das Procedere ist dem Vernehmen nach nun aber ein neuer Streit entbrannt.

Stagl hatte schon vor Monaten seinen Rückzug angeboten. Das sei, wie es heißt, nun vom Aufsichtsrat gestern Abend zur Kenntnis genommen worden. Formalrechtlich reicht das Stagl nicht. In einer schriftlichen Information an die Mitarbeiter teilte Stagl mit, er betrachte sich weiterhin als Vorstand, also nicht als abgelöst.

"Keine Abstimmung und kein Beschluss"

In dem Schreiben verweist Stagl darauf, dass es zu seiner "Abberufung, aus welchen Gründen auch immer, keine Abstimmung und keinen Beschluss" im Aufsichtsrat gegeben habe. "Das muss jetzt geklärt werden", heißt es aus dem Umkreis der Bank zunächst verhalten zum weiteren Procedere. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Sache vor dem Kadi ausgetragen wird, wie gegenüber der APA verlautete.

Stagl geht nur nach "Einvernehmlicher"

Stagl bleibt jedenfalls bei seiner gegenteiligen Position: Er habe seine Funktion nicht zurückgelegt, "weil es eine einvernehmliche Lösung geben muss", sagte Stagl Dienstagnachmittag zur APA. Sein Vorstandsvertrag sei "nach wie vor aufrecht", so Stagl.

Er sei freilich daran interessiert, eine Lösung herbei zu führen und sei "zu allen Gesprächen bereit". Und er gehe davon aus, dass es in Gesprächen mit den Eigentümervertretern zu einer solchen einvernehmlichen Lösung kommen werde. Gestern, Montag, Abend seien solche ersten Gespräche "nicht zielführend" verlaufen.

An sein Angebot vom Frühjahr, im Fall eines Eigentümerwechsels bei der Bank seine Position zur Verfügung zu stellen, fühle er sich mittlerweile "nicht gebunden", sagte Stagl weiter. Es sei ja bisher kein Eigentümerwechsel und somit auch keine Neuausrichtung der Bank erfolgt.

"Schwarzer Peter"

Von außen würde ihm der Eindruck vermittelt, dass man offenbar einen "schwarzen Peter" suche, "vielleicht um vom geplatzten Verkauf abzulenken", mutmaßt Stagl. Sachlich seien ihm auch aus der Vergangenheit jedenfalls keine Vorwürfe zu machen, meint der streitbare Vorstand: Weder aus Leasinggeschäften, die sehr gut liefen, noch aus einem Wertpapiergeschäft aus dem Jahr 2000, das damals Liquidität gebracht habe und von dem jetzt nur mehr eine Swap-Position dargestellt würde. "Das haben auch andere Banken gemacht."

In seinem Schreiben an die Mitarbeiter der Bank hatte Stagl am Vormittag darauf verwiesen, dass es zu seiner "Abberufung, aus welchen Gründen auch immer, keine Abstimmung und keinen Beschluss" im Aufsichtsrat gegeben habe. Im APA-Gespräch ging er darauf nicht weiter ein, kritisch bewertet er aber vor allem, dass der Aufsichtsrat nicht vorab mit ihm ins Gespräch getreten sei. "Dann wäre das friktionsfrei über die Bühne gegangen." Den vom Aufsichtsrat als seinen Nachfolger per 1. Juli bestellten Gerhard Nyul schätze er im übrigen sehr, ergänzte Stagl.

Stagl wurde 1960 in Rust geboren. Nach dem Abschluss des Betriebswirtschaftsstudiums an der Wirtschaftsuniversität Wien trat er 1986 in die Wiener Städtische Versicherung ein und war als Assistent in der Landesdirektion Wien tätig. 1990 wechselte er in die Bank Burgenland, wo er die Leitung des Vorstandssekretariats und der Personalabteilung übernahm.

Ab 1992 leitete der Burgenländer Werbung und Marketing und den Aufbau des Bereichs Treasury. Im April 2000 wurde Stagl in den Vorstand der Bank Burgenland berufen. (APA)