Kopenhagen - Die Fecht-Europameisterschaften in Kopenhagen haben für Österreich mit einer Bronzemedaille durch Michael Ludwig im Herren-Florett-Einzel erfreulich begonnen. Der 31-Jährige, der 2002 ebenfalls mit Bronze für die zuvor letzte EM-Medaille für den heimischen Verband gesorgt hat, unterlag am Dienstagabend erst in der Runde der letzten Vier dem Russen Renal Ganejew mit 10:15. Für Ludwig bedeutete diese Medaille eine "ziemliche Genugtuung", da er nicht an den Olympischen Spielen in Athen teilnehmen wird. Andrea Rentmeister platzierte sich im Damen-Degen zwischen fünf und acht.

Mit dem Europameister von 1992 ist bei Kontinentaltitelkämpfen immer zu rechen. "Die EM war immer schon Seins. Nur zwei Mal war er bei all seinen Teilnahmen bisher nicht unter den letzten Acht ", meinte dazu Alfred Grasnek von Ludwigs Verein FU Mödling. Zuletzt war Ludwig vor zwei Jahren erfolgreich, als er in Moskau Bronze holte. "Ich bin sehr, sehr zufrieden. Die Medaille steht heute im Vordergrund. Aber sie ändert nichts am Geschehen", hat Ludwig seine Nicht-Nominierung für das Olympia-Zonenausscheidungsturnier noch lange nicht verdaut.

Keine Chance mehr auf Athen

Der Vorstand des österreichischen Fechtverbandes (ÖFV) hatte am 28. März bei seiner Sitzung in geheimer Abstimmung mehrheitlich beschlossen, dass für die Entsendung zum europäischen Zonenausscheidungsturnier, der letzten Möglichkeit, sich noch für Athen zu qualifizieren, die Platzierung in der Weltrangliste herangezogen wird, und nicht die nationale Rangliste. Also fuhr Roland Schlosser nach Gent und löste dort das Ticket für Athen. Ludwig: "Ich war sehr gut in Form. Aber mir wurde durch diese Entscheidung am grünen Tisch die Möglichkeit, mich zu qualifizieren, gestohlen." Sein daraufhin beim Bezirksgericht Mödling eingebrachter Antrag auf Einstweilige Verfügung für einen Start wurde abgelehnt.

Obwohl nicht mehr zu ändern, ist die Sache für Michael Ludwig aber noch lange nicht erledigt. "Vielleicht denken jetzt manche drüber nach, dass man mit solchen Aktionen auch Sportlerleben zerstören kann. Andere sind nicht so stabil wie ich. Ich habe einen super Trainer, und eine Familie und einen Verein, die mich unterstützen." Ans Aufhören hat er deshalb nie gedacht.

Titel an Deutschen Breutner

Von den anderen rot-weiß-roten Florett-Herren schaffte niemand den Sprung nach vorne, Olympia-Teilnehmer Schlosser platzierte sich zwischen 17 und 32. Der EM-Titel ging an den Deutschen Richard Breutner, der sich im Gold-Gefecht gegen Ludwig-Bezwinger Ganejew mit 15:9 durchsetzte.

Im Damen-Degen war Rentmeister die stärkste Österreicherin, ihre genaue Platzierung zwischen fünf und acht stand noch nicht fest. (APA)