Wien - Regierung und Gewerkschaft werden nach den Protesten am 13. Juli - also am Dienstag übernächster Woche - wieder zu Verhandlungen über den Teilverkauf von Postbus und Bahnbus zusammenkommen. Dies erklärten beide Seiten am Mittwoch. Postbus-Betriebsratschef Robert Wurm schloss heute eine Einigung im Sommer erneut nicht aus. Eine "für beide Seiten akzeptable Lösung" habe die Gewerkschaft bereits vorgeschlagen, sagte Wurm am Rande der Betriebsversammlung in der Busgarage Erdberg vor Journalisten.

Der Vorschlag der Gewerkschaft sieht vor, dass die ihrer Meinung nach 600 betroffenen Mitarbeiter (Regierung und Vorstand sprechen von 444 Mitarbeitern) trotz des Verkaufs von Linien bei Postbus und Bahnbus bleiben können und an die privaten Busunternehmer nur weiterverleast werden. Dass auf die Privaten dadurch Zusatzkosten zukämen, glaubt Wurm nicht. Postbusmitarbeiter würden in der Stunde gerade einmal um einen Euro mehr verdienen als Lenker bei Privaten, meint Wurm.

"Wird dann ein Streik sein"

Kommt es in den nächsten zwei Monaten zu keiner Lösung für die betroffenen Mitarbeiter, würden die Proteste im Herbst ausgeweitet. "Dass wird dann ein Streik sein", droht der Gewerkschafter. Die Teilprivatisierung werde man mit Streiks allerdings nicht mehr verhindern können, gestand Wurm am Mittwoch entgegen früherer Aussagen ein. "Erste Aufgabe" als Gewerkschaft sei für ihn, "Arbeitsplätze abzusichern". Gegen die Teilprivatisierung könne er sich nur als Aufsichtsrat der Postbus AG aussprechen, argumentiert der Betriebsrat sein Nachgeben.

Kämpferischer gab sich hingegen Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz. Für ihn ist das Thema "Teilprivatisierung noch nicht erledigt". Den ÖBB sei bisher "völlig unklar", was der Verkauf der Linien für das Unternehmen Postbus/Bahnbus bedeuten werde. Die Rechnung der Gewerkschaft: Postbus und Bahnbus würden gemeinsam ohnehin schon jetzt Verluste schreiben. Umgekehrt sei klar, dass die Privaten nur "in Summe Gewinn bringende" Teilpakete übernehmen würden. Postbus und Bahnbus drohten daher ein "Zuschussbetrieb" zu werden. Denn "Minus minus minus ergibt minus", so die Argumentation des Post-Gewerkschaftschefs, der dadurch Buslinien und Arbeitsplätze gefährdet sieht und daher den Protest auch gegen die Teilprivatisierung für gerechtfertigt erachtet. Allerdings meint auch Fritz: "Die Chancen, die Teilprivatisierung zu verhindern, sind gering."

Der umstrittene Verkaufsprozess für ein Drittel der Postbus-Linien ist bereits zu Monatsbeginn angelaufen. Die Interessentensuche ist vergangenen Freitag abgelaufen. Insgesamt sollen sich 132 Interessenten gemeldet haben, darunter neben einer Gruppe von 25 heimischen Betriebe rund um Blaguss, Dr. Richard und die Welser Sab Tours auch die französische Connex und die Tschechische Republik. Nach Abgabe einer Bankgarantie sollen den Interessenten nun die insgesamt 32 Verkaufspakete vorgelegt werden. Die Preisfestsetzung soll bis September erfolgen.(APA)