Wien - Auf "Barbarella" folgt "Romeo & Julia" - das gab die Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien (VBW), Kathrin Zechner, am Mittwoch bei einem Gespräch mit Journalisten bekannt.

Die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals von Gerard Presgurvic (Musik und Lyrics), das sich seit seiner Uraufführung im Jahr 2001 im Pariser Palais de Congrès mit bisher 17 Produktionen in neun Sprachen zum Welterfolg entwickelte, findet voraussichtlich am 24. Februar 2005 im Raimund Theater statt. Die Auditions beginnen Ende August, das Leading Team soll im September präsentiert werden.

Wesentlich weniger Besucher verzeichnet das Musical "Barbarella" derzeit im Raimund Theater, weswegen es am 31.12.2004 oder am 1.1.2005 seine letzte Vorstellung erleben wird. "Die Zeiten der langen Laufzeiten sind für Musicals generell vorbei", meinte Zechner, gestand aber ein, dass die Erwartungen nicht erfüllt worden wären. Derzeit hält man nach Angaben der VBW bei rund 70 Prozent Auslastung und einem durchschnittlichen Kartenverkaufswert von 37 Euro.

"Like a sunshine"

Mit den vor wenigen Tagen abgeschlossenen Verhandlungen über das "Romeo & Julia"-Musical sei den VBW "ein Coup gelungen, ein europäisches Musical der modernen und neuen Art an Land zu ziehen", freute sich Zechner über die Produktion, die zwischen 1,5 und 1,8 Mio. Euro kosten wird. Beim heiß umkämpften deutschsprachigen Markt (die VBW haben auch die Rechte für Deutschland und die deutschsprachige Schweiz erworben) habe man sich gegen die deutsche Stage Holding durchgesetzt.

"Die Wiener Produktionen hatten immer eine hohe Qualität", begründete der Geschäftsführer des Lizenzgebers "City Light Entertainment", Philippe Guiboust, seine Wahl und streute der "starken und energiegeladenen" VBW-Chefin Rosen: "Catherine is like a sunshine for me!"

Wie Shakespeare, mit zwei Hits

Das Musical erzählt laut Guiboust "exakt die gleiche Geschichte wie Shakespeare, mit den Worten von heute" und sei richtungsweisend für die Musical-Zukunft: "In London haben Sie im Augenblick keine einzige Aufführung, die wirklich junge Leute anzieht. Bei uns sieht sich die junge Generation selbst auf der Bühne. Das ist wohl auch der Erfolgsgrund."

Die Musik (Zechner: "französischer Pop") stand dabei am Beginn der steilen Musical-Karriere des Veroneser Liebespaares: Zunächst hätte Presgurvic fünf Songs abgeliefert: "Ich habe sie angehört und gesagt: Da sind mindestens zwei Hits dabei." Von der ersten Single wurden 1 Mio. Stück verkauft noch lange ehe das Musical auf der Bühne zu sehen war, von der zweiten rund 1,5 Mio. Stück. Ebenfalls über 1,5 Millionen Menschen haben das Musical in Frankreich gesehen, weitere 4,5 Millionen in Kanada, Skandinavien, Spanien, Ungarn, Rußland, Japan und weiteren Ländern.

Zu den mehreren Stoffen, die in verschiedenen Projektstadien auf Umsetzbarkeit geprüft werden, zählen weiterhin "Wall Street", "Mayerling" und "Producers", meinte Zechner, mit Guiboust ist eine "Romeo & Julia"-Nachfolgeproduktion im Gespräch und auch "meinem 'Schneewittchen' geht es gut."

"Ronacher mobile"

Zechner bestätigte auch, was Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) vor kurzem gesagt hatte: dass sich die Eröffnung des Ronacher nach dem geplanten Umbau auf 2007 verzögern wird. Für den Umbau wartet man noch auf einen Gemeinderatsbeschluss, ehe europaweit ausgeschrieben werden kann. "Wenn wir dann keine römischen Amphoren finden, und wenn kein portugiesischer Architekt Einspruch erhebt, dann könnten wir im Herbst 2007 eröffnen."

Für die eineinhalb Jahre Verzögerung gegenüber dem ursprünglichen Termin sucht man unter dem Arbeitstitel "Ronacher mobile" ein Ersatzquartier entweder in einer fixen Spielstätte wie dem Museumsquartier oder in einem Zelt. (APA)