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Riess-Passer kann sich mit der FPÖ nicht mehr identifizieren (Im Bild: Riess-Passer mit Westenthaler und Scheibner bei einer Pressekonferenz im September 2002, bei der den anwesenden das FPÖ-Plakat auf den Kopf zu fallen drohte).

foto: reuters/foeger
Wien – Die Einladung, als Gast auf dem Podium teilzunehmen, war sicher nicht übermäßig begehrt. Ging es doch bei der von der Politischen Akademie der ÖVP veranstalteten Diskussion Montagabend um gescheiterte Politiker und ihr Zurandekommen mit dem öffentlichen Absturz. Vier davon stellten sich dennoch dem Thema und der Frage: "Crash – und was dann?".

Die frühere FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer ist nach ihrem Abgang nicht in das berühmte "schwarze Loch gefallen". Das Verhältnis zur Partei ist aber maßgeblich gestört: "Mit dem, was die FPÖ heute macht, kann ich mich nicht mehr identifizieren." Und wenn sie "täglich sehe", wie ihr Projekt "kurz und klein geschlagen wird", überlege sie, auch ihre einfache Parteimitgliedschaft, die nur mehr aus Solidarität mit der Tiroler Landesgruppe bestehe, zu lösen. "Es überkommen mich immer öfter Gelüste, das endgültig zu beenden."

Mit der aktiven Parteivergangenheit hat Riess-Passer ohnehin bereits "schmerzlich abgeschlossen". Und eines sei klar: "Die Chance für die FPÖ ist vorbei." Das Vertrauen, das man früher gehabt habe, sei nicht gerechtfertigt gewesen. Ihre persönliche Bilanz fällt dennoch positiv aus: "Auch wenn mein Weg nicht erfolgreich war, hat sich der Versuch gelohnt."

Einen politischen Weg, der nicht erfolgreich war, haben auch die drei Mitdiskutanten eingeschlagen: Rudolf Streicher als unterlegener Bundespräsidentschaftskandidat und geschasster ÖIAG-Vorstand, Michael Graff, der über seinen Waldheim-Sager ("so lange nicht bewiesen sei, dass Waldheim ,mit eigenen Händen sechs Juden erwürgt hat‘") gestolpert ist, und Michel Friedmann, Moderator und früherer Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der durch Drogenkonsum zu fraglicher Berühmtheit gelangte.

Friedmann ist in die Offensive gegangen. Auch am Donnerstag half er Moderator Paul Schulmeister, als dieser zögerte, den "Crash" in Worte zu fassen: "Sprechen sie es ruhig aus – ich hatte eine Kokainaffäre." Heute steht er zu dem "unrühmlichen Kapitel" in seinem Leben, will aber auch ein neues aufschlagen: "Es gab in meiner Biografie nicht nur das Jahr 2003."

Michael Graff quittierte seinen Job als Generalsekretär, um sich nicht immer wieder Fragen zur Causa stellen zu müssen. Und er attestiert sich selbst Variante eins von zwei möglichen Ursachen des Scheiterns: Nicht eine Wahlniederlage, sondern die "eigene Blödheit" habe ihn zu Fall gebracht. Gefragt, ob Politiker nach dem Crash überhaupt "resozialisierbar" seien, musste der frühere SP-Verkehrsminister Streicher eingestehen, keine Fahrkarte beim Automaten lösen zu können. (Karin Moser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)