Gudrun Pallierer

Foto: PETRA SPIOLA
Die Jobsuche via Fernsehen nach den Regeln des Reality-TV ist der neue TV-Trend, in den USA lief Donald Trumps "The Apprentice" höchst erfolgreich, jetzt springen deutsche Privatsender und auch das Schweizer Fernsehen auf den Zug auf. etat.at fragte bei Gudrun Pallierer, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit des Arbeitsmarktservices, nach.

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etat.at: In den USA läuft die Jobsuche-Reality-Soap "The Apprentice" höchst erfolgreich, nun ziehen auch deutsche Privatsender wie RTL und ProSieben ("Hire and Fire") nach. Wie beurteilt das AMS diesen Trend zur Jobsuche via TV? Was halten Sie davon, Arbeitslose zum Inhalt von Unterhaltungsshows zu machen?

Gudrun Pallierer: Mit "erfolgreich" meinen Sie vermutlich die Einschaltquoten. Für das AMS stellt sich dabei die Frage: Wieviele Jobs wurden vermittelt und wie lange hat das gedauert? Wieviele Menschen konnten dabei Tipps für ihre Arbeitsuche gewinnen? Soweit man im Web bei den Bewerbungsbögen nachlesen kann, werden mit diesen Shows nicht primär Arbeitslose angesprochen, sondern Personen, die ihren Job wechseln möchten und ihre Fähigkeiten öffentlich vorstellen und sich dabei mit anderen messen möchten.

Wo es GewinnerInnen gibt, gibt es auch VerliererInnen und die Frage ist, wie sensibel man das handhabt. Das Thema "Jobsuche" läuft für viele Menschen nämlich nicht unter dem Titel "Comedy" - so wie die Rubrik für die geplanten Jobshows.

etat.at: Die Reality-Shows sind vor allem beim jungen Publikum sehr beliebt. Welche Auswirkungen haben diese Job-Shows Ihrer Meinung nach auf junge Arbeitssuchende?

Gudrun Pallierer: Die Frage, die sich bei allen Reality-Shows stellt, ist diejenige, inwieweit dort tatsächlich reale Situationen gezeigt werden können oder falsche Vorstellungen vom "real Life" wecken. Das Thema Jobsuche ist besonders für junge Menschen ein ganz wichtiges. Umso relevanter ist es, Jugendlichen dabei ein realistisches Spektrum ihrer Möglichkeiten aufzuzeigen und sie zielgruppengerecht anzusprechen, was das AMS z.B. bei der AMS-Jobmania-Tour (ams.or.at/jobmania) macht. Ob Jobsuche-Reality-Soaps dazu einen Beitrag leisten können, wird sich weisen.

etat.at Auch das Schweizer Fernsehen SF DRS wird im Frühjahr 2005 mit einer Jobsuche-Show startet, als Arbeitgeber wird unter anderem Nicolas G. Hayek von Swatch gehandelt. Die Show habe einen direkten Nutzen für die Zuschauer, die sähen, worauf es bei einer Bewerbung ankomme. Keinesfalls handle es sich um eine "Fertigmacher-Show", so die DRS-Direktorin Ingrid Deltenre. Sehen auch Sie einen direkten Nutzen für Jobsuchende?

Gudrun Pallierer: Ich kenne das Schweizer Konzept nicht, halte es aber für wichtig und sinnvoll, das Medium TV zu nützen, um ZuseherInnen möglichst viele Informationen über Arbeitsmarkt, Qualifikationen, Zukunftsbranchen zu bieten. Wenn sich innovative Formate dafür eignen, sollten diese auch dafür eingesetzt werden.

etat.at: Beim ORF sieht man indes Platz weder für "Hire" noch für "Fire". Das "Hire-and-Fire-Prinzip entspricht nicht unser Arbeits- und Lebenswelt", so Programmdirektor Scolik Allerdings sei es für den ORF sehr wohl interessant, das Thema Beruf "grundsätzlich zum Inhalt einer TV-Sendung zu machen". Wie könnte aus Sicht des AMS das Thema "Beruf" im ORF angegangen werden? Wie könnte eine TV-Sendung zum Thema Ihrer Meinung nach aussehen?

Gudrun Pallierer: Das Thema "Beruf" wird von den ORF-Redaktionen ja laufend aufgegriffen. Das AMS hat in den vergangenen Monate zum Beispiel gemeinsam mit "Willkommen Österreich" und mit "25.Das Magazin" Berufe und Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten vorgestellt. Im Herbst ist wieder eine Kooperation mit "25 Das Magazin" in Zusammenhang mit unseren neuen Berufsinfovideos, die von DoRo produziert werden, geplant. Und wir sind auch offen für neue Ideen und Formate. (red)