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Foto: Reuters
Mark-Wolf Hetzendorf war schon so einiges: Werber, Redakteur bei "Basta" und beim ORF. Wirt war er noch nicht, wollte es aber einmal probieren, weshalb er Wien nach geeigneten Locations abgraste. Für ein Lokalkonzept, das allerdings noch nicht so recht feststand, "da die Lokalität die Art des Lokals vorgibt".

Und dann fand er das Haus, in dem sich das Theater Gruppe 80 befindet, das außerdem als das erste in Wien gilt, welches in Stahlbetonbauweise errichtet wurde und das schließlich ein ehemaliges Pelzmodengeschäft auf drei Ebenen enthielt, Marmorportal und Panoramaverglasung inklusive. Hetzendorf spürte die Vorgabe der Location und machte sich also daran, auf den 320 Quadratmetern ein äußerst vielfältiges Gastronomiegebilde unterzubringen, auf dessen Vielfältigkeit auch an der Fassade mit Leuchtschrift hingewiesen wird: "Broadway Bar", "Backstage Dancing" und "The Cook cooking". "Backstage Dancing" bezieht sich übrigens auf einen ziemlich gut schallisolierten Raum, der sich halt hinter einer kleinen Bühne befindet. Und apropos Bühne: Von dem darunter befindlichen Theater leitete Hetzendorf auch den Namen des Lokals ab, "Prem", von Premiere und so.

Das Ergebnis ist nun jedenfalls ein Lokal, dem man auch mit wenig Fantasie seine Pelzmoden-Vergangenheit durchaus noch anzusehen vermag, mit sehr viel Platz für eine Lounge, für eine weitläufige Bar, für einen kleinen Restaurant-Bereich, für noch eine etwas konservativer gehaltene Bar und schließlich für das Tanz-Zimmer, nicht zu vergessen die Toiletten mit "originellen" Klobrillen. Eine wilde Mischung, das Ganze macht ein bisschen einen spontanen, provisorischen Eindruck, erinnert an eine gastronomische Hausbesetzung, nicht unskurril, das hat schon was. Dass das beabsichtigt ist, steht freilich zu bezweifeln.

Aber egal, die Küche leitet der wahrscheinlich jüngste Koch der Stadt, Edgar Kasprycki ist achtzehn und gerade mit der Lehre fertig, "eher international" bezeichnet er seine Linie. Der "Cäsars Salat" ist leider nicht international und entspricht vor allem in keiner Hinsicht dem Original, ist stattdessen ein großer, bunter, gemischter Salat (€ 6,50), die Misosuppe war nett, aber nicht mehr (€ 3,60). Stolz ist man im "Prem" auf den Lavasteingrill, von dem etwa ein Rumpsteak vom Rind aus Neuseeland kommt, das auch wirklich hervorragend schmeckte, nur halt leider ein bisschen sehr zäh daherkam (€ 15), sehr viel zarter ein Schweinsfilet in einer ganz netten Karottensauce, die Pommes Duchesse darf man aber getrost der Hotelgastronomie überlassen (€ 12,50).

Welchen Weg das "Prem" in Zukunft gehen wird, scheint noch nicht ganz klar. Als ernsthaftes Restaurant wird es eher nicht funktionieren und als urbanes Szenelokal fehlt im ein wenig die nötige Lässigkeit. Aber das kann ja beides noch werden. (Florian Holzer, DER STANDARD, rondo/09/04/2004)