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"Stalking" stammt aus dem Englischen und bedeutet "sich heranpirschen", jemanden "verfolgen" und "belästigen". Die Wissenschaft definiert es als "abnormales, zwanghaftes Verhalten".
Stalking beginnt oft mit Kleinigkeiten wie Telefonanrufen, SMS, E-Mails, Briefen, Blumengrüßen. Weiters werden Personen vor der Wohnung, am Arbeitsplatz oder bei Veranstaltungen abgepasst. Extreme "Stalker" verfolgen ihre Opfer sogar beim Wohnortwechsel, drohen, stellen private Fotos mit obszönen Texten ins Web, üben Druck auf die Familie und gemeinsame Freunde aus.
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Wien - Jede vierte Frau in Österreich hat Erfahrung mit "Stalking" (siehe Bildtext). Jeder zehnte Anruf beim Frauennotruf hat damit zu tun, dass Frauen fragen, wie man dieser Art der Belästigung entkommen kann. Und jedes fünfte persönliche Gespräch in Beratungseinrichtungen dreht sich um verzweifelt gesuchte Auswege aus dieser Art des Psychoterrors.

Diese nüchterne Statistik beschreibt ein Phänomen, das weit verbreitet ist und das im Vorjahr bei einer internationalen Konferenz in Wien erörtert wurde. Nun präsentierte Frauenstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) den Tagungsbericht.

Karin Spacek vom Wiener Frauennotruf berichtet, dass es jede Person treffen kann. 80 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Damit sind in Österreich Tausende betroffen, die Dunkelziffer ist hoch, weil die Tendenz bestehe, "das mit sich still auszutragen".

Die Gründe für derlei Belästigung, die oft ganz harmlos mit ein paar Briefen oder Anrufen beginnt und sich bis zur körperlichen Gewalt auswachsen kann, sind vielfältig. Verschmähte Verehrer, geschiedene Ehemänner, die die Trennung nicht verkraften, oder sogar Fremde, die sich aus praktisch unbekannten Gründen ein Opfer aussuchen, das sie zwanghaft verfolgen und anonym ewige Liebe oder Rache schwören - bis zur Androhung von Gewalt, wenn sie nicht erhört werden.

Neuer Tatbestand

Stadträtin Wehsely und Albin Dearing, Vorstand beim Opferhilfeverein "Weißer Ring", fordern ein bundesweites Gesetz zum Schutz der Opfer. In den Niederlanden, Deutschland, den USA oder Kanada gibt es ein solches. Wichtig sei es, so Dearing, den Tatbestand der "fortdauernden Belästigung" im Strafgesetzbuch zu verankern. Eine solche "Tat", die sich über einen langen Zeitraum ziehe, kenne das jetzige Gesetz nicht. Laut Wehsely gehe es darum, dass damit ein Bewusstsein geschaffen wird: Stalking ist ein kriminelles Delikt und die Täter müssen wissen, dass es Sanktionen gibt. Dearing schlägt ein "Kontaktverbot" vor, das die Polizei ausspricht, wenn jemand andauernd belästigt. Wird es nicht eingehalten, droht eine Strafe. Dieser Vorschlag ist analog zum "Wegweisungsrecht", das die Polizei erlässt, wenn jemand zu Hause geschlagen wird und der Partner die Wohnung verlassen muss.

In der Öffentlichkeit ist dann von Stalking die Rede, wenn es Prominente trifft. Schauspielerin Halle Berry hat per Gericht erreicht, dass ein Verehrer mindestens 80 Meter Abstand zu ihr einhalten muss. Superstar Madonna wurde mit dem Durchschneiden der Kehle bedroht. Extennisspielerin Monica Seles wurde niedergestochen, weil ein Stalker Steffi Graf von der Konkurrentin "befreien" wollte. Beim früheren Model Waris Darie kam der Verfolger sogar von London nach Wien geflogen, um sie zu belästigen. (aw/DER STANDARD, Printausgabe 15.07.2004)