60 Sekunden pro Bundesliga-Spiel zur besten Sendezeit im ORF "entwerten" seine TV-Rechte, sagt Premiere-Chef Georg Kofler dem STANDARD. Der Mediensenat berät am Mittwoch.

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STANDARD: Der Bundeskommunikationssenat will dem ORF 60 Sekunden Bildberichte von jedem Spiel noch vor "Volltreffer" in ATV erlauben.

Kofler:Dieses Vergleichsangebot ist für uns nicht akzeptabel. Es geht viel zu weit, auch im europäischen Vergleich, und würde den ORF einseitig privilegieren.

STANDARD: Wie ist das zum Beispiel in Deutschland geregelt?

Kofler: Wer keine Rechte hat, kann 90 Sekunden Bildberichte pro Spieltag senden, wenn das Free TV damit beginnt. Der ORF könnte analog dazu kurz berichten, sobald "Volltreffer" bei ATV+ startet.

STANDARD: Das muss nicht für Österreich gelten.

Kofler: Ich hoffe, dass die Tragweite allen bewusst ist: Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern würde die vorgeschlagene Regelung unsere Exklusivrechte entwerten. Fernsehpartner werden der Liga weniger zahlen. In der "ZiB" will der ORF auf einmal mehr berichten, als zu der Zeit, als er die Rechte hatte. Eine sehr durchsichtige Taktik, um sich für praktisch kein Geld eine kleine Fußballshow zu erschleichen.

STANDARD: Wenn der Senat die 60 Sekunden pro Spiel vor ATV vorschreibt, erklären Sie dann der Bundesliga, dass Sie unter diesen Bedingungen die versprochenen 42 Millionen für drei Jahre nicht zahlen?

Kofler: Nein, wir wollen uns hier definitiv als zuverlässiger Partner erweisen. Aber langfristig müssen wir uns dann überlegen, wie unser Engagement im österreichischen Fußball aussieht.

STANDARD: Am Mittwoch tagt der Senat zu dem Thema. Rechnen Sie schon mit einer Entscheidung?

Kofler: Ich vermute, er wird die Tragweite dieser Entscheidung erkennen und etwas länger beraten. Wir haben Zeugen angeboten, damit sich die Richter ein umfassendes Bild machen können. Zum Beispiel den Geschäftsführer der deutschen Fußballliga.

STANDARD: Wieviele Abos hat Premiere in den vergangenen Wochen dank Fußball dazubekommen?

Kofler: Richtung 30.000, das ist besser als in unserem Plan. Bis Mitte 2005 wollen wir von 170.000 auf 240.000 Abos in Österreich kommen. (DER STANDARD; Printausgabe, 4.8.2004)