Linz - "Das Beschäftigungswachstum in Oberösterreich ist zu einem großen Teil auf den Zuwachs bei der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen, während die Vollzeitarbeitsplätze weniger werden," erklärte AK-Präsident Johann Kalliauer am Montag in einer Aussendung. In Oberösterreich wurden im Zeitraum 1991 bis 2002 rund 19.500 Vollzeitarbeitsplätze abgebaut. Der Großteil dieses Rückganges (14.700 Arbeitsplätze) wurde bei der Frauenbeschäftigung verzeichnet.

Im gleichen Zeitraum haben sich die Teilzeitbeschäftigungen in Oberösterreich mehr als verdoppelt. Von den 48.800 neu entstandenen Teilzeitarbeitsplätzen entfallen 44.000 auf Frauen.

Zwischen 1991 und 2002 hat der größte Abtausch von Vollzeit zu Teilzeit stattgefunden. Während in ganz Österreich der Anteil der Vollzeitarbeitsplätze um 6,3 Prozentpunkte sank, betrug in Oberösterrreich die Einbuße 8,6 Prozentpunkte.

Somit stieg das gesamte Arbeitsvolumen in Oberösterreich nur geringfügig an. Im Vergleich zu ganz Österreich entwickelt sich die oberösterreichische Beschäftigung in Vollzeitäquivalenten gerechnet unterdurchschnittlich: Von 1994 bis 2002 verzeichnete Österreich ein Plus von 2,0 Prozent, Oberösterreich hingegen nur 1,6 Prozent.

Wertvolle Teilzeitplätze

"Teilzeitarbeitsplätze sind grundsätzlich wertvoll in Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Derzeit besteht allerdings das Problem, dass sie in erster Linie auf Frauenjobs mit niedrigen Einkommen beschränkt sind. In höher qualifizierten Bereichen fehlt oft die Möglichkeit zur Teilzeit", bewertet Präsident Kalliauer die gegenwärtige Lage. "Der Rechtsanspruch auf Eltern-Teilzeit sollte auch in Betrieben mit weniger als zwanzig Beschäftigten bestehen".

Unfreiwillige Teilzeit

Die Brisanz der Thematik liege insbesondere darin, dass viele Menschen nicht freiwillig teilzeitbeschäftigt sein, sondern durch den Mangel an Vollzeitarbeitsplätzen dazu gezwungen würden, betonte Kalliauer. "Die Politik muss sich verstärkt darauf konzentrieren, in allen Branchen auch Vollzeitarbeitsplätze zu schaffen und den Beschäftigten die Chance auf ein Einkommen zu geben, von dem sie auch leben können. Dazu sind nachfragewirksame Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung, wie etwa die Verbesserung der Infrastruktur, notwendig".