DER STANDARD und die meisten anderen österreichischen Zeitungen werden die neue Rechtschreibung beibehalten, auch wenn sie in Deutschland schwer in Diskussion ist und deutsche Leitmedien ("Spiegel", Springer, "Süddeutsche") zu ihr zurückkehren, während die wichtigsten deutschen Schriftsteller die alte nie verlassen haben. Das hat hauptsächlich pragmatische Gründe und ist wohl im Moment die beste Vorgangsweise.

Nur: drei Dinge verdienen es, festgehalten zu werden - die neue Rechtschreibung ist nicht leichter und vor allem nicht schöner als die alte ("platziert" ist plump-provinziell gegenüber "placiert"). Zweitens hat die Reform zu Folge, dass sich eine gewisse Beliebigkeit etabliert hat; viele schreiben wie sie wollen. Das "anything goes" hat sich einen weiteren Zentralraum der Gesellschaft erobert. Manche werden das als Befreiung von unnötigen Bildungslasten begrüßen.

Die letzte Wahrheit über die Rechtschreibreform ist aber, dass sie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme von und für Bildungsbürokraten ist. Sie wurde nicht wirklich gebraucht - bis ein paar Bildungsverwalter auf die Idee kamen, für sich selbst ein reiches Betätigungsfeld zu schaffen. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2004)