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Etwa 20 Jahre wird es noch dauern, bis die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen EU-weit umgesetzt sein wird.
Foto: Reuters/KIMBERLY WHITE
Madrid/Wien - Trotz massiven Protests der katholischen Bischöfe habe die spanische Homosexuellen-Ehe gute Chancen auf Umsetzung, schätzt Ulrike Lunacek: "Die Sozialisten wollen Signale gegen die äußerst ideologisch agierenden spanischen Kirchenkreise setzen", kommentiert die offen lesbisch lebende Grünen-Nationalratsangeordnete und Spanienkennerin die Pläne des sozialistischen Premierministers José Maria Rodríguez Zapatero.

Zapatero, seit drei Monaten im Amt, hatte vor drei Wochen angekündigt, seine sozialistische Regierungsmehrheit werde Lesben und Schwulen ab Anfang 2005 die Ehe öffnen. Mit allen Rechten und Pflichten - sowie der Möglichkeit, als Paar Kinder zu adoptieren. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ist derzeit in Vorbereitung.

Für den Fall eines Beschlusses wäre Spanien weltweit der dritte Staat, der den gleichgeschlechtlich Liebenden ganz wie Heterosexuellen das Heiraten ermöglicht. Bisher besteht nur in Holland (seit April 2001) und Belgien (seit Juni 2003) diese Möglichkeit - und nur in den Niederlanden sowie Schweden ein Adoptionsrecht für Lesben und Schwule.

Nicht durch die Parlamente, sondern durch die Höchstgerichte erfolgte die Öffnung der Ehe für Homosexuelle bisher in drei kanadischen Provinzen sowie im US-Bundesstaat Massachusetts. In Schweden, Dänemark, Grönland, Norwegen, Finnland und Island wiederum können Homosexuellenpaare nach Regierungsbeschluss Eingetragene Partnerschaften eingehen, die der Ehe gleichgestellt sind - teils mit der Möglichkeit, die Kinder des Partners zu adoptieren.

Dies ist laut deutscher Eingetragener Lebensgemeinschaft nicht möglich, ebenso nicht laut der französischen, portugiesischen und luxemburgischen Lösung. Insgesamt, sagt der Generalsekretär der Homosexuelleninitiative (Hosi) Wien, Kurt Krickler, haben derzeit neun der 25 EU-Staaten einschlägige Regelungen beschlossen.

"In 20 Jahren" werde die Homo-Ehe EU-weit existieren, schätzt Krickler. Auch wenn in Österreich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zu dem von der steirischen VP losgetretenen Thema am Dienstag "am besten nichts" zu sagen hatte. SP und Grüne protestierten, Finanzminister Karl-Heinz Grasser widersprach: Gleichstellung sei nötig. (bri/DER STANDARD, Printausgabe 11.08.2004)