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Kosei Inoue (26) verlor erstmals einen internationalen Kampf.

Foto: APA
Kosei Inoue ist 1,83 Meter hoch und knapp 100 Kilogramm schwer und pflegt den sanften Weg zu gehen, also nachzugeben ohne zu zerbrechen, wie sich Judo aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzen lässt.

Doch am Donnerstag widerfuhr ihm, was ihm seit 1999, dem Beginn seiner internationalen Karriere noch nie passiert ist, er zerbrach; quasi. Inoue verlor im olympischen Turnier im Viertelfinale gegen den Niederländer Elco van der Geest durch eine Ippon-Wertung knapp vor Ende des Kampfes. Ippon beendet eine Auseinandersetzung augenblicklich, lässt sich etwas freier mit einem K.o. übersetzen, wenngleich ein Judoka nicht zuschlägt. Van der Geest, der Inoues Nimbus der Unbesiegbarkeit zerstörte, verlor übrigens seinen nächsten Kampf.

Kosei Inoue kam am 15. Mai 1978 in Miyazaki, Japan, zur Welt und bereits fünf Jahre später steckte der Knirps, der er damals noch war, erstmals in einem Judogi, wie der Kampfanzug eines Judoka fachgerecht genannt wird. Das hat er seinem Vater zu verdanken, der wie so viele Japaner dem Nationalsport Judo frönt und auch seinen Buben dazu anhielt.

1999 und in Birmingham erfolgte der erste internationale Auftritt Kosei Inoues, er war maximal erfolgreich, gewann den Weltmeister-Titel. Nämliches wiederholte er 2001 in München und 2003 bei der Heim-WM in Osaka, jeweils in der Klasse bis 100 Kilogramm. Inoue, der Kämpfer, ist nicht schrullenlos. Vor jedem Wettkampf pflegt er das Zimmer, in dem er gerade logiert, aufzuräumen. "Ich kann nicht anders, ich muss es einfach tun", sagt er. Wer weiß, vielleicht putzte er in Athen einfach nicht gründlich genug und das war der Grund, dass er seinen ersten Kampf seit 1999 verlor.

Inoue ist japanischer Volksheld und ledig, zieht sich, wenn er nicht gerade sportelt, Kinofilme rein und er geht gern auf Shoppingtour. Zudem ist er bei einer Leibwächter-Firma angestellt und bei dieser ein sehr gefragter Mann, was sich wohl auch nach seiner Niederlage in Athen nicht ändern wird.

2000 in Sydney gewann der dreifache Weltmeister und zigfache Turniersieger die olympische Goldmedaille. Und bei der Siegerehrung trug er auf dem Podest ein Foto seiner Mutter mit sich, die kurz vor seinem WM-Gewinn 1999 gestorben war. "Sie wollte unbedingt die Weltmeisterschaft sehen", sagte Inoue, "und ich wollte sie auf diesem Weg zur Nummer-eins-Mutter der Welt machen." (bez - DER STANDARD PRINTAUSGABE 20.8. 2004)