Wien - Spätestens in Zeiten hoher Ölpreise ziehen Diskussionen über erneuerbare oder kohlenstoffarme Energien ihre Kreise auch jenseits eingeschworener Umwelt- und Klimaschutzorganisationen. Dabei bedarf es, um den Kohlendioxid-Ausstoss zu verringern, vorerst nicht einmal der radikalen Abkehr von fossilen Quellen. Schon der Umstieg von Kohle auf Gas reduziert den Ausstoß von Treibhausgasen um bis zu 50 Prozent, wie Leo Schrattenholzer, Projektleiter am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg im Gespräch erklärte. Der Experte nimmt im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche an einem Arbeitskreis zum Thema "Kohlenstoffarme Energieversorgung" teil.

Zu den ärgsten Kohlendioxid-Schleudern zählt Torf, so Schrattenholzer. Dann folgen Kohle, Öl und schließlich - als vergleichbar saubere Energie-Quelle - Erdgas. Um aktiven Klimaschutz zu betreiben und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern, bietet sich eine ganze Reihe von kleinen, relativ unspektakulären Maßnahmen an, ist der Experte überzeugt.

Methodenmix

Jede alternative Quelle, sei es Windenergie oder auch Biomassenutzung kann jeweils nur einen beschränkten Teil abdecken, letztendlich wird es aber die Summe, der Mix an Methoden ausmachen, ist Schrattenholzer überzeugt. Erfolgreiche Vorreiter-Projekte gibt es genug, mit einer effektiven Subventionspolitik müssten diese an den Markt herangeführt werden.

Neben dem Blick auf möglichst saubere Quellen, wenn schon fossile Energie genutzt werden muss, ist für Schrattenholzer das Thema Wärmedämmung und Raumheizung ein nach wie vor nicht zu unterschätzender Faktor bei der Reduktion von Treibhausgasen. Dabei ist allerdings das Problembewusstsein vor allem bei den Endverbrauchern immer noch unterentwickelt.

Ökosteuern

Eine Möglichkeit, das Problembewusstsein zu wecken, wäre für den Experten die Einführung von Ökosteuern, also die höhere Besteuerung schmutziger Energie und die gleichzeitige Senkung der Kosten für menschliche Arbeitskraft. Ökosteuern sollten daher in Summe aufkommensneutral sein. Dass eine derartige Besteuerung bisher bestenfalls in Ansätzen verwirklicht wurde, sieht Schrattenholzer nicht zuletzt in einem allgemeinen Vertrauensverlust der Politiker begründet. So fürchten viele Menschen Veränderungen, weil sie reflexartig - und nicht ganz unbegründet - Verschlechterungen der eigenen Situation befürchten.

Vorsichtig positiv beurteilt der Energie-Experte die Situation des Klimaschutzes in den USA. Die Anfang 2004 veröffentlichte Klima-Studie des Pentagon habe darauf hingewiesen, dass ein Klimawandel ein Sicherheitsrisiko darstellt. "Die USA geben sind bereit, für den Sicherheitsbereich enorme Geldmittel zu investieren", sagte Schrattenholzer. Als Sicherheitsthema werde es denn auch der Klimaschutz in Zukunft in den USA leichter haben. (APA)