Hamburg - EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat den europäischen Mobilfunkbetreibern mit hohen Strafen gedroht, falls Brüssel "Beweise für Kartellabsprachen" bei Auslandsgebühren finden sollte. Die Kommission untersuche derzeit die nach Ansicht von Kritikern überhöhten "Roaming-Gebühren" bei Handy-Telefonaten in ausländischen Netzen, berichtete Monti dem Hamburger Magazin "stern" in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview. "Ich hoffe, dass sich da etwas ändert." Die Nachforschungen der Kommission beträfen "die gesamte Branche in ganz Europa". Die Behörde könne im Falle eines Vergehens Strafen von bis zu 10 Prozent des Umsatzes verhängen, sagte Monti. "Bisher haben wir die 10-Prozent-Klausel zwar nie voll ausgeschöpft. Ich will aber, dass wir uns dem Limit weiter annähern - die Strafen sollen wehtun." Am Mittwoch haben bereits die deutschen Marktführer und bestritten, dass es zwischen den Mobilfunkanbietern in Europa Kartellabsprachen gegeben habe. "Das ist abwegig und absurd", sagte ein Sprecher von Mannesmann Mobilfunk (D2). Ähnlich äußerte sich auch T-Mobil: "In den Verhandlungen um die Roaming-Gebühren sehen wir kein Kartell." Call-by-Call für Handys? Beide bestätigten aber, dass die EU-Kommission die Roaming-Preise in Europa unter die Lupe genommen habe. Dabei sei ein Fragebogen an über 100 Mobilfunkgesellschaften und Service-Betreiber verschickt worden. Zur Beantwortung des umfangreichen Katalogs hätten die Unternehmen acht Wochen Zeit. Monti sprach sich gegenüber dem "stern" auch dafür aus, Call-by-Call für Mobiltelefonate einzuführen. Die Kommission prüfe, "ob es eigentlich so bleiben muss, dass ein Kunde beim Mobiltelefonieren an seinen Betreiber gebunden ist oder ob man, wie im Festnetz, nicht von Fall zu Fall die günstigste Gesellschaft wählen kann". (APA/dpa)