Die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) und der Journalist Gerhard Marschall trennen sich. Der Dienstvertrag wurde "einvernehmlich aufgelöst", hieß es am Mittwoch. "Ich habe unterschrieben, meine gesetzlichen Ansprüche wurden anerkannt. Die Alternative war die Kündigung", erklärte Marschall. OÖN-Herausgeber und -Geschäftsführer Rudolf A. Cuturi bestätigte die Lösung des Dienstverhältnisses ebenfalls. Die Causa Marschall hatte Anfang Februar nationale und internationale Schlagzeilen gemacht. Rund um die Bildung der neuen ÖVP-FPÖ-Regierung wurde dem Journalisten die Kündigung in Aussicht gestellt. Marschall und der Betriebsrat der Bundesländerzeitung sprachen von einem "politisch motivierten" Schritt. Marschall hatte zuvor in Kommentaren vor allem Kritik an FPÖ und ÖVP geübt. Die Chefredaktion und der Herausgeber der OÖN wiesen dies jedoch zurück. "Ich wehre mich gegen die Behauptung, dass die Entscheidung politisch motiviert ist und mit dem Regierungswechsel zu tun hat", sagte Cuturi auch am Mittwoch. Cuturi bestätigte unterdessen das Ausscheiden von OÖN-Finanzchef Maximilian Mitterhauser. "Zu meinem Entsetzen hat er erklärt, dass er uns Mitte des Jahres verlassen wird", so Cuturi. Mitterhauser will sich als Steuerberater selbstständig machen. Nach Berichten aus dem Verlag soll er seinen Schritt intern mit dem Klima und den Vorgängen rund um die Causa Marschall begründet haben. Mitterhauser selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Cuturi: "Ich kenne diese Aussagen von ihm nicht. Ich habe stets exzellent mit ihm zusammen gearbeitet." Betriebsratsvorsitzender Eike Clemens Kullmann bedauert die Entscheidung Mitterhausers: "Ich finde es unendlich schade, dass er das Haus verlässt, weil er immer wieder bewiesen hat, dass ihm die Menschen in diesem Haus ein Anliegen sind." Ebenso bedauerlich sei es, dass Marschall geht. Rund um den Fall Marschall kam es bei den OÖN in den vergangenen Wochen übrigens zu zahlreichen Abo-Abbestellung. Cuturi sprach von 500 bis 600 Abonnenten, die das Blatt wegen des Ausscheidens von Marschall gekündigt haben, kolportierte 2000 stimmten nicht. Chefredakteur Hans Köppl hatte das Vorgehen gegen Marschall unter anderem damit begründet, dass es wegen der Kommentare des Journalisten etwa 500 Abbestellungen gegeben habe. "Es wiegt sich also ziemlich auf", erklärte Cuturis nun. Aber: "Wir haben auch einige hundert neue Abos dazu bekommen, und es gab sehr positive Briefe in dieser Sache." Insgesamt haben die "Oberösterreichischen Nachrichten" rund 100.000 Abonnenten. Die gegenwärtigen Abo-Kündigungen bezeichnete der OÖN-Chef als "gesteuert". Auf Seiten des Betriebsrats glaubt man hingegen, dass die laufenden Abbestellungen sogar deutlich höher sind. Kullmann: "Aus inoffiziellen Kreisen höre ich, dass es wesentlich mehr sind. Der Schaden wird dadurch in die Millionen gehen, wenn man die Werbung für neue Abos dazu zählt. Ich hoffe nur, dass es gelingt, diese Abonnenten wieder zurückzugewinnen." Cuturi zeigte sich überzeugt, dass dies gelingen werde. Denn: "An der Blattlinie ändert sich nichts." Zur Kritik an seiner Person: "Ich habe in den vergangenen 15 Jahren nur ein Mitglied der Redaktion gekündigt. Das war's. Ich habe nie oder kaum in stärkerem Ausmaß in die Redaktion eingegriffen oder Einfluss auf die Chefredaktion genommen. Für mich ist am wichtigsten, dass ich mich in der Früh beim Rasieren im Spiegel anschauen kann. Das kann ich. Da ist es mir egal, ob mich die Gewerkschaft als Bösewicht darstellt." Direkt mit dem "Fall Marschall" steht allerdings, wie auch Cuturi bestätigt, die eben bekannt gewordene Kündigung der Innenpolitik-Redakteurin Alexia Wernegger. (red/APA)