Gelbschnabelsturmtaucher

Rennes/Wien - Eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten stellen mittlerweile auch in entlegensten Weltregionen die Ökologie auf den Kopf und verdrängen ursprünglich einheimische Organismen. Wissenschafter des Institut National de la Recherche Agronomique-France (INRA) in Rennes Frankreich berichten nun über erste Erfolge von - so grauslich es klingt - "Ausrottungskampagnen" fremder Spezies auf 45 Inseln der Bretagne, im Mittelmeer und auf den französischen Antillen.

Vor allem die Einführung von Nagern und sonstigen kleinen Säugetieren hatten auf mehreren Inseln bereits zu einem erheblichen Biodiversitätsverlust geführt, berichten die Experten. Oft finden nämlich fremde Spezies nahezu ideale Bedingungen vor. Vor allem, wenn sie im neuen Lebensraum auf keine natürlichen Feinde treffen, vermehren sie sich explosionsartig. Etwa als Nahrungskonkurrenten können sie dabei die ursprünglichen Arten und die Artenvielfalt empfindlich reduzieren bis völlig ausrotten.

Radikale Ausrottung

Ein Hauptproblem bei Bekämpfungsmaßnahmen ist, dass man - um dauerhaften Erfolg zu haben - die unerwünschten Arten radikal und vollständig ausrotten müsste. Denn einige wenige Organismen würden ausreichen, um in wenigen Jahren wieder die gleiche, problematische Situation zu haben.

Die am INRA entwickelte Ausrottungsmethode basiert auf einer mehrmaligen Nutzung von Fangvorrichtungen und einer chemischen Bekämpfung. Die Forscher schafften die totale Ausrottung eingeschleppter Wanderratten auf Inseln der Bretagne, Hausratten auf Korsika und Martinique sowie von Java-Mangostanen (eine Baumart, Anm.) auf Guadalupe.

Vögeln geht es besser

Die Wissenschafter registrierten durch die völlige Eliminierung der Arten keine einzige negative Auswirkung, sehr wohl aber positive auf die ursprüngliche Artenzusammensetzung. So konnte ein außergewöhnlicher Anstieg der Anzahl an Brutpaaren von vier Vogelarten in der Bretagne verbucht werden. Der Felsenpieper vermehrte sich innerhalb von fünf Jahren sieben Mal so rasch wie in den Jahren zuvor.

Auch die Zahl der Nachkommen konnte durch die Maßnahmen bei vier Vogelarten gesteigert werden, so von null auf 90 Prozent beim Audubons Sturmtaucher auf Martinique oder von 47 auf 90 Prozent beim Gelbschnabelsturmtaucher auf Korsika. Auf der Malban Insel gelang die erneute Ansiedlung des Riesensturmvogels. Ohne die fremden Wanderratten verbreiteten sich dafür die Gartenspitzmäuse in der Bretagne um das 20-Fache binnen vier Jahren. (APA)