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Eben hat es in Catos Almanach noch geheißen, Jugend ist stolz auf Österreich, und schon darf das Land der Helden an derselben Stelle zurückschlagen: Österreich ist stolz auf Euch! - natürlich auf seine Olympioniken. Das musste sein, denn einen Tag später rief das Blatt zur Patriotismus-Party: Heute feiern wir unsere Helden!

Da die Zusammenrottung diesmal weder auf dem Helden- noch auf dem Ballhaus-, sondern ganz unheroisch auf dem Rathausplatz stattfand, wäre ohne den Aufruf der "Kronen Zeitung" womöglich keiner gekommen. So wie damals, als Cato noch jung war, ist es ja doch nicht mehr. Umso tröstlicher, dennoch einen völkischen Beobachter zu haben, der sich ohne jeden falschen Stolz und wann immer es seine Geschäfte befördert zum Zentralorgan der stolzen Jugend, des stolzen Österreich oder auch nur des Stolzes an sich aufschwingt.

Vor dieser nationalen Hochstimmung erscheint umso düsterer jene Figur, deren tragikomisches Scheitern nicht einmal in seinem Erfinder noch einen Funken Stolz zum Glimmen bringt, obwohl der ihm doch einiges zu verdanken hat: Der Finanzminister hat ein trauriges Wochenende hinter sich. Sogar die "Krone", der er von Anfang an symbiotisch noch enger verbunden war als dem Kanzler, fragte Sonntag nur noch bang: Wie lange halten Sie 's noch aus?

Ginge es nur nach ihm, müsste man sich keine Sorgen machen. Conny Bischofberger gestand er: Ich bin ein durch und durch positiver Mensch. Ich wach jeden Tag auf und freu mich über das Leben. Das bleibt einem, wenn man es früh trainiert. Schon als Kind war er ein glücklicher kleiner Indianer! Ich kann heute noch die Namen aller Pferde aus "Karl May" auswendig. Was zweierlei beweist. Erstens: Karl-Heinz Grasser ist viel höher gebildet als jener ÖVP-Grande, der über den "Schatz im Silbersee" nie hinauskam. Zweitens: Bei solcher Grundausbildung im Pferdewesen kann sich Wolfgang Schüssel nicht geirrt haben, als er ihn einen "gottbegnadeten Wirtschaftspolitiker" nannte.

Hat man einen unheimlichen Werbevertrag mit der Industriellenvereinigung, wird man den Verdacht der Schleichwerbung nicht mehr so leicht los. Haben Sie eigentlich einen heimlichen Werbevertrag, dass Sie bei jedem Interview "Red Bull" trinken? wollte Frau Bischofberger wissen. Oder schmeckt Ihnen das Zeug etwa? Nein, er hat keinen Werbevertrag, es ist schlimmer: Es ist tatsächlich mein Lieblingsgetränk!

Der Einwand der Interviewerin, sogar Erfinder Dietrich Mateschitz behauptet, kein Mensch trinke "Red Bull" wegen des Geschmacks, lockt den großen Neuerer ans Tageslicht. Dann bin ich der Erste . . . Es erinnert mich an Gummibärchen. Flügel verleiht 's ihm nicht: Bei mir zeigt 's keine Wirkung. Null! Wie die Kritik der Opposition, die ja gelegentlich auch an Gummibärchen erinnert. Dabei besteht seine Tagesration aus mindestens vier Dosen. Zuhause hab ich sogar einen eigenen "Red Bull"-Kühlschrank, und nun Obacht! - selbst gekauft natürlich. Nicht alles sponsert die Industrie!

Die Bedeutung der heutigen Sondersitzung des Nationalrates zu seinen Ehren, sieht er wie ein glücklicher kleiner Indianer. Wissen Sie, wenn es zu einer österreichisch-schweizerischen Lösung gekommen wäre, dann hätte es genauso diese Sondersitzung gegeben. Und jetzt gibt es sie halt, weil der Deal nicht zustande gekommen ist. Ähnlich näherte sich Montag die "Neue Zürcher Zeitung" einem Problem, als sie auf Seite 1 titelte: Relativ ruhige Wahl in Tschetschenien - Mann sprengt sich selber in die Luft.

Im "Kurier" fand sich Peter Rabl von der Fülle der Bilder, die der schwarz-blaue Red-Bull-Junkie in ihm weckte, schier erdrückt. Die Erfolgsformel KHG ist endgültig zur Marke mit schlechtem Geruch geronnen, rückte er eine Metapher ins Blatt, die alten Käse auf Wanderschaft vor des Lesers inneres Auge zaubert. Sie schlug sich freilich ein wenig mit der Charakterisierung zwei Sätze weiter unten: Der jugendliche Strahlemann dieser Regierung ist aber zum politischen Zombie verkommen. Zombies kommen immer wieder, wenn man sie lässt, geronnene Marken sind ein für allemal passé. Vor allem aber: Zombies trinken kein Red Bull.

Nur Christian Ortner in der "Presse" war entschlossen, KHG noch immer als das kleinere Übel zu verteidigen. Wer in Grasser (nur) den "Blender" sieht, lässt sich möglicherweise gerade von jener Form der Kommunikation blenden, die Grasser meisterlich beherrscht. Irgendwie erschien ihm das dann doch zu verschroben, daher fügte er als PS an: Sollten Sie diesen kleinen Versuch, einer ambivalenten politischen Figur auch nur halbwegs gerecht zu werden, als langweilig empfinden, bittet Sie der Autor höflich um Nachsicht. Gewährt - wenn diese Langeweile nur nicht zum System wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.8.2004)