Wien - Die Wiener Wohnungsnot zu Beginn der 90er Jahre, dann der Neubauboom und in der Folge eine Beruhigung am Markt. Jetzt allerdings steigt die Nachfrage wieder an - nicht zuletzt im Zuge der EU-Erweiterung. Daher wird die Förderung des Wohnungsneubaus wieder leicht erhöht, kündigte Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) am Dienstag an.In den kommenden zehn Jahren sollen jährlich 5500 Neubauwohnungen gefördert werden - in den letzten Jahren waren es knapp 5000. Grundlage für diesen Schritt ist eine Untersuchung der "Forschungsgesellschaft Wohnen, Bauen und Planen". Zuzug

Die Autoren kommen einerseits zu dem Schluss, dass die Bevölkerungszahl in den kommenden Jahren leicht ansteigen wird: Und zwar von derzeit 1,55 Millionen auf 1,61 Millionen im Jahr 2011. Und dann weiter auf 1,65 Millionen im Jahr 2020. Diese Zunahme wird vor allem durch Zuzug aus den neuen EU-Nachbarländern erwartet.

Dazu kommen die Wohnungszusammenlegungen im Zuge der forcierten Stadterneuerung - dadurch "verschwinden" pro Jahr etwa 3000 Wohnungen.

Man merke die erhöhte Nachfrage auch bereits, berichtet Faymann, es gebe "eine leichte Zunahme bei den Interessentenlisten im Wohnservice Wien und bei den Vormerkungen für Gemeindewohnungen". Verhandlungen

Ein Motiv für Faymann, gerade jetzt den Druck in Richtung Wohnbauförderungen zu erhöhen: Die derzeit laufenden Verhandlungen zum Finanzausgleich. Angesichts der erhöhten Nachfrage sei es "umso notwendiger, dass der Bund seinen Verpflichtungen nachkommt und im Zuge der Finanzausgleichsverhandlungen die Mittel für die Wohnbauförderung bereitstellt", forderte der Wohnbaustadtrat am Dienstag.

Bürgermeister Michael Häupl ist in dieser Frage leicht optimistisch: "Es ist zumindest außer Streit gestellt, dass es die Wohnbauförderung weiter geben wird." Eine mögliche Wiedereinführung der Zweckbindung der Mittel sehe man in Wien gelassen. (frei/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2004)